Kolumne: So läuft es : Laufen und Gutes tun – die Geschichte von Noah

Wer fällt, dem kann das Laufen die Stütze sein, um wieder aufzustehen. Wie das Laufen eine Familie veränderte.

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Laufen kann bewegen. Ein Bild vom jüngsten Berlin-Halbmarathon.
Laufen kann bewegen. Ein Bild vom jüngsten Berlin-Halbmarathon.Foto: dpa/Zinken

Das Tolle am Bücher schreiben als Kolumnist ist, dass man auch mal vor die Türe kommt. Dass man auf Lesereise geht. Und in Orte kommt, die man bis dahin vielleicht noch nicht einmal vom Namen kannte. Zum Beispiel nach Rheda-Wiedenbrück. Die Stadt im Kreis Gütersloh, im Osten Nordrhein-Westfalens, hatte ich in der Tat bisher so gar nicht auf meinem Zettel. Seit Sonntag ist das anders. Dem Tag an dem ich dort lesen durfte. Nun wird Rheda-Wiedenbrück immer in meinem Herzen sein.

Die Stadt wird immer ein kleines Laufwunder für mich sein. Eingeladen hatte mich Andreas Post. Ein liebender Familienvater, ein Läufer. Ein Mann, der 2004 tief gefallen war. Andreas und seine Frau Nina mussten sich von ihrem kleinen Sohn Noah verabschieden, der erst 1999 zur Welt kam und 2004 zu Hause in ihrem Bett an Leukämie starb. Bereits mit 1,5 Jahren wurde der Krebs bei Noah diagnostiziert. Sein Leidensweg war lang. Am Sonntag erzählte Andreas das erste Mal vor meiner Lesung öffentlich vor Publikum Noahs Geschichte. Und selbst zwölf Jahre später ist der unendliche Schmerz in Andreas und Ninas Herz zu spüren. „Wir haben uns selbst nicht mehr gespürt, wir haben nach Noahs Tod nur noch von einem Tag zum nächsten gelebt. Wie im Nebel, der sich nicht lichten wollte“, sagt mir Andreas. „Ich befand mich in einer völligen Ausnahmesituation. Und bin immer wieder laufen gegangen. Dabei kam mir eine Idee“, ergänzt er.

Laufen und Gutes tun.
Laufen und Gutes tun.Foto: promo

Andreas organisierte einen Lauf in Rheda-Wiedenbrück. Die Einnahmen sollten der DKMS zugute kommen. 600 Läuferinnen und Läufer meldeten sich an. Und liefen, liefen für Noah. Liefen für die DKMS. „Eigentlich sollte es ein einmaliger Lauf werden, wir wollten uns so bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei für die Unterstützung bedanken. Leider konnte Noah selbst mit einem Spender nicht mehr gerettet werden“, sagt Andreas Post. Aus diesem einmaligen Lauf ist ein Verein geworden: „Laufen und Gutes tun e.V.“ (laufenundgutestun.de) Jedes Jahr im September starten über 1200 Läuferinnen und Läufer. Sämtliche Einnahmen des Benefizlaufs werden der DKMS, unverschuldet in Not geratenen Familien aus Rheda-Wiedenbrück und der Ambulanten Palliativpflege für Kinder gespendet.

Bei der Ambulanten Palliativpflege handelt es sich um eine Einrichtung, die unheilbar kranken Kindern mit begrenzter Lebenserwartung die Möglichkeit eröffnet, im Kreis der Familie aus dem Leben zu gehen. „Bisher haben wir über 120 000 Euro gesammelt. Noah lebt auf diese Art und Weise immer weiter. Er ist uns durch den Verein, durch diesen Lauf so unheimlich nah. Auch wenn er nicht mehr lebt. Mit Noah ist etwas gestorben, mit Noah lebt jedoch auch etwas weiter. Und es hat sich etwas wunderbar Positives daraus entwickelt“, sagt Andreas Post stolz. Die Idee ist ihm beim Laufen gekommen, an einem Punkt an dem er gefallen war. Das Laufen war ihm eine Stütze. Er und seine Frau haben einen neuen Weg gefunden. Beiden ist ein wahres Laufwunder widerfahren. Es trägt einen Namen: Noah!

Ich werde nächstes Jahr im September in Rheda-Wiedenbrück laufen. Und ich würde mich freuen, wenn ich viele von Ihnen dort sehe. Denn gemeinsam läuft es besser! So läuft es.

 

- Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt bei Tagesspiegel.de an jedem Donnerstag übers Laufen.

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