Kommentar : Blatter vs. Platini: Versprechungen, Verdächtigungen

Zwischen Uefa-Präsident Michel Platini und Fifa-Boss Sepp Blatter ist schon seit längerem ein Machtkampf entbrannt - Platini will Blatter als Chef des Weltverbandes beerben. Jetzt geht das Duell in die nächste Runde.

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Ein Glückslos sieht anders aus.
Ein Glückslos sieht anders aus.Foto: AFP

Milliarden Menschen weltweit lieben Fußball – mittlerweile scheint der Lieblingssport dieses Planeten aber von zwei Männern in Geiselhaft genommen worden zu sein. Kaum eine wichtige Entscheidung im Weltfußballs war zuletzt frei von Manipulationsverdacht, immer mehr rückt nun ein persönlicher Machtkampf in den Mittelpunkt. Uefa-Präsident Michel Platini will 2015 unbedingt Joseph Blatter als Fifa-Präsident beerben, der Schweizer hat allerdings eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit nicht ausgeschlossen. Jetzt geht das Duell in die nächste Runde.

Platini ist der Meister der Versprechungen, mit seiner Idee einer auf 13 Nationen zersplitterten EM 2020 ist es ihm gelungen, viele europäische Verbände auf seine Seite zu ziehen. Dabei scheint er aber den Fehler gemacht zu haben, zu großzügig mit seinem Wort gewesen zu sein. Der türkische Verband erklärte nun, Platini habe „in einem Vier-Augen-Gespräch versprochen“, dass die Türkei das Finalpaket der EM 2020 erhalte, sollte Istanbul mit seiner Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele im selben Jahr scheitern. Die anderen Verbände, die sich noch Hoffnung auf die EM-Endrunde machen – darunter der Deutsche Fußball-Bund – dürften diese Aussage mit Verwunderung zur Kenntnis genommen zu haben.

Und Joseph Blatter? Der arbeitet sich weiter an der WM 2022 in Katar ab. Und Blatter wäre nicht Blatter, wenn er den Streit um das Für und Wider einer Verlegung des Turniers in den Winter nicht für sich zu nutzen wüsste. Der „Zeit“ sagte Blatter jetzt, der Zuschlag für die WM im Wüstenstaat sei auch auf „direkte politische Einflüsse“ zurückzuführen. Der Schweizer erklärte, europäische Regierungschefs hätten ihren stimmberechtigten Mitgliedern der Fifa-Exekutive aus wirtschaftlichem Interesse empfohlen, für Katar zu stimmen. Mit dieser Aussage spielt Blatter ganz klar auf ein gemeinsames Abendessen von Platini, dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Emir von Katar wenige Tage vor der WM-Vergabe an.

Blatter versucht, Platini zu diskreditieren, der Franzose wird sicher bald zum Gegenschlag ausholen, der Machtkampf bleibt spannend. Fußballfans in aller Welt werden sich allerdings wünschten, die spannendsten Auseinandersetzungen gäbe es endlich wieder auf dem Rasen.

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