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Kommentar : Gewalt im Fußball: Es ist noch nicht genug geredet

19.11.2012 17:45 Uhrvon
Konfrontation zwischen Polizei und Anhängern von Eintracht Frankfurt im April 2012.Bild vergrößern
Konfrontation zwischen Polizei und Anhängern von Eintracht Frankfurt im April 2012. - Foto: dapd

Der Polizeibericht passt perfekt in das Bild, das sich die Öffentlichkeit vom Fußball und seinen Fans in den letzten Monaten gemacht hat. Doch das ist nicht die ganze Wahrheit, meint Stefan Hermanns in seinem Kommentar.

Der Bericht taugt für die ganz dicken Schlagzeilen – weil er perfekt in das Bild passt, das sich die Öffentlichkeit vom Fußball und seinen Fans in den letzten Monaten gemacht hat. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze der Polizei (ZIS) hat jetzt ihren Bericht für die Saison 2011/12 vorgelegt, der vor allem die Hardliner in Politik, Vereinen und Verbänden bestätigen wird. Da läuft gerade etwas in die ganz falsche Richtung: Mehr Straftaten, mehr Gewalt, mehr Verletzte, der Stadionbesuch wird – anders als geplant – offenbar zum großen Abenteuer. Was wollt ihr denn noch?, wird es jetzt heißen. Geredet wurde mehr als genug!

Wie so oft lohnt sich aber auch in diesem Fall ein Blick hinter die Zahlen.

Der zum Teil exorbitante Anstieg in allen Kategorien hat vor allem einen Grund: Pyrotechnik. Seitdem der Dialog über deren Legalisierung vom Deutschen Fußball-Bund auf denkbar tölpelhafte Art beendet worden ist, führen die Ultras einen albernen Rachefeldzug. Jede gezündete Bengalofackel wird als Triumph gegen die Betonköpfe gefeiert. Doch gerade das ist kein Beleg dafür, dass genug geredet wurde. Im Gegenteil: Der Dialog muss weitergehen. Überzeugung tut not, auch wenn auf beiden Seiten nur noch wenig Lust besteht.

Es sind im Übrigen 2011/12 weniger Polizisten verletzt worden als im Jahr zuvor – während sich die Zahl der verletzten „Störer“ verdoppelt hat. Selbst schuld, wird Otto Normalbürger sagen, während die Fans sich in ihrer Ansicht bestätigt fühlen dürften, dass die Haudrauf-Mentalität der Polizei weiter zugenommen hat. Doch jenseits solcher Deutungsfragen gibt es durchaus besorgniserregende Entwicklungen. Die Zahl gewaltbereiter Fans ist auffällig gestiegen; die Qualität der Gewalt hat zumindest in Einzelfällen ein erschreckendes Maß angenommen, zudem scheinen mehr und mehr Rechtsextreme die Kurven zu unterwandern.

Das alles spricht nicht für schnelle Entspannung. Aber genau die ist nötig, damit die Hardliner die Gunst der Stunde nicht zu weiteren Repressionen nutzen können. Es liegt auch in der Verantwortung der Fans, die für den Erhalt ihrer Fußballkultur streiten. Diese Fußballkultur – das sollten die Fans jetzt begreifen – wird nicht allein von den anderen bedroht.

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