Kommentar : Homosexualität im Fußball: Die nächste verpasste Chance

Bundesliga-Chef Reinhard Rauball würde einem homosexuellen Fußballer in Deutschland derzeit ein Outing nicht empfehlen. Damit ist sogar die katholische Kirche inzwischen fast schon weltoffener als die hierzulande populärste Sportart.

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Viele Worte auf Papier, aber Taten folgen auf die Berliner Erklärung offenbar nicht.
Viele Worte auf Papier, aber Taten folgen auf die Berliner Erklärung offenbar nicht.Foto: dpa

Gerade einmal zwei Wochen ist die Berliner Erklärung alt. Der DFB und vier Bundesligisten (darunter Bayern und Hertha) verkündeten darin: „Wir setzen uns für ein aktives Vorgehen gegen Homophobie auf allen Ebenen des Sports ein.“ Die DFL, der Dachverband der Bundesligisten, gehörte nicht zu den Unterzeichnern und äußerte sich bislang auch nicht zum Thema.

Nun hat sich der DFL-Präsident Reinhard Rauball zu Wort gemeldet – und er hätte besser geschwiegen. Er könne derzeit keinem Fußballer empfehlen, sich zu outen, erklärte Rauball in der „Sport Bild“: „Einen Spieler zu diesem Schritt zu raten – so weit ist der Fußball nicht.“ Das sei beschämend, aber seine hundertprozentige Überzeugung.

Während sich selbst die katholische Kirche beim Thema Homosexualität langsam öffnet, erfährt es im Fußball eine immer stärkere Überhöhung, die den Umgang damit immer schwieriger macht. Auch die höchsten Repräsentanten des deutschen Fußballs fassen es wenn überhaupt nur mit spitzen Fingern an, meist arrangieren sie sich einfach mit dem Status quo.

Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach unterzeichnete die Berliner Erklärung zwar, doch bei der Präsentation fehlte er. Auch Rauball schafft es nicht, die Situation zu entkrampfen. Statt Mut zuzusprechen, schürt er Ängste und Ressentiments mit Halbwahrheiten. So behauptet er etwa, dass der Basketballprofi Jason Collins wegen seines Outings keinen Vertrag mehr in der NBA bekommen würde. Dabei stand der als fast 35 Jahre alter Ersatzspieler ohnehin vorm Karriereende.

Die Zeit ist noch nicht reif für ein Coming-out im Männerfußball, findet Rauball. Doch wer, wenn nicht ein Spitzenfunktionär, könnte diese Zeitenwende herbeiführen? Wer sollte sonst das Feld dafür bereiten, dass junge Menschen ihr Versteckspiel aus Angst um ihre Karrieren endlich beenden können? Reinhard Rauball hat diese Chance leider verpasst.

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