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Kommentar : Neuer Spielraum für Vereine und Fans

13.12.2012 13:56 Uhrvon
Friedlicher Protest. Fußballfans demonstrierten am Mittwoch vor der DFL-Zentrale in Frankfurt/M.Bild vergrößern
Friedlicher Protest. Fußballfans demonstrierten am Mittwoch vor der DFL-Zentrale in Frankfurt/M. - Foto: dpa

Wichtiger als die Beschlüsse von neuen Sicherheitsmaßnahmen im Fußball war der Weg, auf dem sie entstanden sind, meint Lars Spannagel in seinem Kommentar. Doch Fans und Vereine müssen nun ihren Dialog fortsetzen.

Vor der Versammlung war von einer Zerreißprobe die Rede gewesen. Würden die deutschen Profiklubs eine gemeinsame Linie finden? Oder würde sich die Deutsche Fußball-Liga (DFL) an der Frage der Sicherheit in den Stadien in mehrere Lager spalten? Am Mittwoch demonstrierten die Vereine der Ersten und Zweiten Liga Geschlossenheit und stimmten mit großer Mehrheit für ein Maßnahmenpaket, das den deutschen Fußball friedlicher machen soll. Die Entscheidung bedeutet aber noch lange nicht, dass die Debatte um Krawalle, Bengalische Feuer und Polizeieinsätze abgeschlossen ist. Aber ein solcher Schlussstrich ist auch gar nicht wünschenswert.

Wer auf klare Verbote und drastische Strafen gehofft hatte, wurde am Mittwoch enttäuscht.

Fast alle der insgesamt 16 verabschiedeten Maßnahmen stellen Verfeinerungen und Verdeutlichungen ohnehin bestehender Richtlinien dar. Bei der DFL ist von neuen „Leitplanken“ die Rede, innerhalb derer sich die Klubs künftig bewegen sollen. Die Innenminister, die den Ligaverband mit Forderungen nach mehr Härte und Engagement enorm unter Druck gesetzt hatten, hätten sich lieber straff gespannte Zügel gewünscht. Auch der erste Entwurf für das neue Sicherheitskonzept war deutlich schärfer formuliert als die letztlich verabschiedeten Beschlüsse. Die Fans haben es sich aber selbst zu verdanken, dass ihnen der Spielraum in den Stadien erhalten bleibt.

Denn auch die Anhänger haben bewiesen, dass sie bei aller Rivalität geschlossen auftreten können, wenn es um ihre gemeinsamen Interessen geht. An den vergangenen drei Spieltagen wurde nach dem Anpfiff minutenlang einträchtig geschwiegen, die Botschaft des Protests war klug gewählt: Ohne unsere Stimmen gibt es keine Stimmung, wir Fans machen einen großen Teil der Faszination Fußball aus. Die Vereine und der Ligaverband erkannten gerade noch rechtzeitig, dass sie mit ihrem Sicherheitskonzept auf eine noch viel größere Konfrontation zusteuerten. Und besserten nach.

Die DFL musste nun ein Ergebnis vorweisen, das hat sie getan. Damit hat die Liga ihren Vereinen die nötige Luft verschafft, um das beschlossene Maßnahmenpaket mit Leben zu füllen. Das kann aber nur funktionieren, wenn sich die Klubs intensiv mit ihren eigenen Fans auseinandersetzen – was immer noch an viel zu wenigen Bundesliga-Standorten geschieht.

Wichtiger als die Beschlüsse war der Weg, auf dem sie entstanden sind. Die Liga hat dem Reiz widerstanden, die Freiheiten der Fans und ihrer Kultur dem Druck der Politik zu opfern. Und die Fans sollten gelernt haben, dass sie mit friedlichen aber klar formulierten Protesten mehr erreichen als mit einer weiteren Eskalation.

Wenn beide Seiten jetzt weiter auf den begonnenen Dialog setzen, war die DFL-Versammlung tatsächlich ein Erfolg für den Fußball.

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