Kommentar : Thomas Bach: Funktion vor Inhalt

Es waren für Thomas Bach in Sotschi die ersten Olympischen Spiele als neuer IOC-Präsident. Doch der 60-Jährige hat dabei nichts getan, um sich von irgendwem oder irgendetwas Offiziellem bei diesen Spielen zu distanzieren, findet unser Autor.

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Uhrenvergleich. IOC-Präsident Thomas Bach mit Wladimir Putin und Dmitry Medvedev (von links). Foto: Imago
Uhrenvergleich. IOC-Präsident Thomas Bach mit Wladimir Putin und Dmitry Medvedev (von links).Foto: Imago

Ein Erbstück seien diese Winterspiele für Thomas Bach als neuer IOC-Präsident, wurde vor Beginn gesagt. Und ein Erbe kann man nur annehmen oder ablehnen, nicht aber verändern. Doch stimmt das überhaupt? Zum einen war Bach schon mächtiges IOC-Mitglied, als Sotschi den Zuschlag erhielt. Zum anderen kann er sehr wohl Einfluss auf die Spiele nehmen, sie gehören schließlich immer noch seiner Organisation und werden dem austragenden Land nur verliehen. Bei seinen ersten Spielen als IOC-Präsident hat Thomas Bach jedenfalls nichts getan, um sich von irgendwem oder irgendetwas Offiziellem bei diesen Spielen zu distanzieren. Es waren von der Idee her Wladimir Putins Spiele. Aber es waren genauso von der Durchführung Thomas Bachs Spiele. Olympia in seinem Sinne.

Die Athleten seien begeistert gewesen, deshalb war auch er begeistert. Das spricht nicht gegen Bach und auch nicht gegen diese Winterspiele. In der Tat haben viele Athleten die Bedingungen gelobt, den Transport, das olympische Dorf, die Wettkampfstätten. Und Olympische Spiele sind nun einmal zuerst für die Athleten da. Auch Bachs Wunsch, nichts Politisches auf dem Rücken der Athleten auszutragen, ist verständlich.

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Aber wann immer es politisch wurde bei diesen Spielen, türmte Bach die immergleichen Wortbausteine zu einem Gebäude auf, das weder Ecken noch Kanten hat. Bach versuchte die Spiele als Bollwerk gegen jegliche politische Instrumentalisierung darzustellen. Die Weigerung, Ausnahmen vom Protokoll zuzulassen, und sei es für einen Trauerflor für den verstorbenen Bruder einer Mannschaftskameradin, wirkten kleinlich. Vor allem hat Bach nicht erkennen lassen, dass er die berechtigten Vorwürfe bei der Ausbeutung von Olympiaarbeitern und der Natur so ernst nimmt, wie es angemessen wäre.

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