Kommentar zu Eintracht Braunschweig : Verdient ist anders, Herr Lieberknecht!

Braunschweig-Trainer Torsten Lieberknecht sagt ständig, dass seine Mannschaft in dieser Saison den Klassenerhalt verdient hat. Allerdings hat die Eintracht nur 25 Punkte. Verdient ist anders, meint unser Autor.

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Eintracht-Trainer Thorsten Lieberknecht glaubt, dass seine Mannschaft den Klassenerhalt verdient.
Eintracht-Trainer Thorsten Lieberknecht glaubt, dass seine Mannschaft den Klassenerhalt verdient.Foto: imago

Torsten Lieberknecht kennt sich aus mit der Psychologie der Massen: Je weniger plausibel eine Botschaft klingt, desto häufiger sollte man sie wiederholen, damit das Publikum sie glaubt. Mit erstaunlicher Penetranz wiederholt Lieberknecht, der Trainer von Eintracht Braunschweig, dieser Tage einen Satz, mit dem er vermutlich nicht nur dem eigenen Anhang Mut machen will, sondern auch sich und seiner Mannschaft: „Wir haben Platz 16 verdient und sonst kein anderer.“

Klar, denkt da der neutrale Betrachter, die kleinen aufmüpfigen Braunschweiger haben sich besser gehalten als erwartet. Sie haben sich von den drei Anwärtern auf den Relegationsplatz noch am wenigsten ungeschickt angestellt. Und wenn man sich das Programm des letzten Spieltags anschaut, haben sie tatsächlich noch eine realistische Chance – weil sie als Einziger auf einen Gegner treffen, der keine eigenen Ambitionen mehr hat.

Andererseits: Wer nach 33 von 34 Spieltagen Letzter ist, wer gerade 25 Punkte geholt hat, wer die vergangenen vier Spiele verloren und dabei kein einziges Tor geschossen hat – der hat gar nichts verdient, außer den Abstieg vielleicht.

Dass die Eintracht (genau wie Nürnberg und der HSV) überhaupt noch die Chance auf den Verbleib in der Fußball- Bundesliga besitzt, hat sie (genau wie Nürnberg und der HSV) allein der Schwäche der anderen zu verdanken. Der Abstiegskampf ist in Wirklichkeit so etwas wie gemeinsames Abstiegskuscheln: Hilfe, tu mir nichts! Ich tu dir auch nichts.

Als in der Bundesliga noch zwei Punkte für einen Sieg vergeben wurden, war die 30-Punkte-Marke das, was heute die 40-Punkte-Marke ist: ein Richtwert für den erfolgreichen Abstiegskampf. In diesem Jahr reichen höchstwahrscheinlich sogar weniger als 30 Punkte. Das hat es noch nie gegeben, seitdem 1995 die Dreipunkteregel eingeführt wurde.

Braunschweig kann im günstigsten Fall noch auf 28 Punkte kommen. Aber selbst, wenn die Eintracht damit die Klasse halten sollte, hätte sich das bestätigt, was schon vor der Saison alle gesagt haben: Eintracht Braunschweig ist leider nicht bundesligatauglich.

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