• Kommentar zum peinlichen Ende im Calciopoli-Prozess: Die Manipulationen von Moggi gehören aufgeklärt

Kommentar zum peinlichen Ende im Calciopoli-Prozess : Die Manipulationen von Moggi gehören aufgeklärt

Im großen Stil hatte Luciano Moggi 2006 für Juventus Turin Spiele und Schiedsrichter manipuliert, nun sind sind seine Taten verjährt. Typisch Italien, meint unser Autor, dabei gehört das System hinter Moggi aufgeklärt.

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Das Gesetz ist für alle gleich, steht vor Gericht hinter Luciano Moggi geschrieben. Für den früheren Manager von Juventus Turin ist es etwas gleicher, seine Manipulationen sind verjährt.
Das Gesetz ist für alle gleich, steht vor Gericht hinter Luciano Moggi geschrieben. Für den früheren Manager von Juventus Turin...Foto: dpa

Luciano Moggi ist längst wieder ein gern gesehener Gast bei Juventus Turin, obwohl der frühere Sportdirektor jahrelang Stadionverbot hatte. „Er ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte“, sagt Vereinspräsident Andrea Agnelli mittlerweile, „wir sind ein katholisches Land, also können wir auch vergeben.“

Auch das höchste Gericht Italiens hat nun die Haftstrafe gegen Moggi aufgehoben. Allerdings sind ihm juristisch seine Sünden nicht vergeben – sie sind verjährt.

2006 war aufgeflogen, dass Moggi im großen Stil Spiele und Schiedsrichter manipuliert hatte. Der „Calciopoli“-Skandal erschütterte den italienischen Fußball. Juventus musste zwei Meistertitel abgeben und absteigen, Moggi wurde zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.

Geändert hat sich trotzdem wenig. Juventus ist längst wieder aufgestiegen und Serienmeister, der Calcio produziert neue Wett- und Manipulationsskandale und Moggi ... wie es eben läuft in Italien.

Erst wurde die Haftstrafe auf zwei Jahre und vier Monate verkürzt, nun ist sie aufgehoben. Die Verjährungsfristen hat Silvio Berlusconi einst großzügig gekürzt, sie betrafen ja auch ihn.

Moggi hat nie eingesessen, ist zwar weiter mit lebenslangem Berufsverbot belegt, aber praktisch rehabilitiert. Den Strafprozess nennt er einen Witz. Da hat er sogar recht, wenn die Justiz in neun Jahren nicht aufklärt, was fleißige Staatsanwälte einst ermittelten.

Immerhin stellt das Gericht fest, dass „die Meisterschaft von einer kriminellen Organisation beeinflusst“ wurde. Juventus klagt trotzdem auf Schadenersatz.

Statt Vergebung wären Reue und Aufklärung nötig. Sonst werkeln die Macher im Hintergrund immer weiter. Selbst Moggi sagt, er sei Teil eines Systems gewesen. Und Systeme verjähren in Italien nicht.

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