Kommentar zum Wechsel von Robert Lewandowski : Gerechtigkeit für Wilhelmshaven!

Die Fifa warnt Deutschland vor einem WM-Ausschluss, wenn der Viertligist SV Wilhelmshaven sich weiterhin weigert, für einen ehemaligen Spieler 160.000 Euro zu zahlen. Dass die Fifa es nicht immer so genau mit ihren Transferregeln nimmt, zeigt sich aber am Wechsel von Robert Lewandowski.

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Ungleiches Duell: Im Trikot des BVB - gegen den gescholtenen SV Wilhelmshaven im DFB-Pokal: Robert Lewandowski.
Ungleiches Duell: Im Trikot des BVB - gegen den gescholtenen SV Wilhelmshaven im DFB-Pokal: Robert Lewandowski.Foto: Imago

Deutschland droht, die WM zu verpassen. Die wenigsten wissen: Die Fifa warnt den DFB vor einem Ausschluss von den Titelkämpfen in Brasilien. Grund ist der deutsche Viertligist SV Wilhelmshaven, der sich seit fünf Jahren weigert, für einen ehemaligen Spieler 160.000 Euro Ausbildungsentschädigung an zwei argentinische Vereine zu zahlen. Doch die Fifa nimmt es genau mit ihren Transferparagraphen und will, dass Wilhelmshaven zwangsabsteigen muss.

So ganz genau nimmt es der Weltverband dann doch nicht. Denn niemand scheint etwas daran zu beanstanden, dass Robert Lewandowski gerade einen Vertrag bei Bayern München unterschrieben hat. Dabei gibt es da klare Vorschriften: „Ein Berufsspieler darf einen Vertrag mit einem anderen Verein nur abschließen, wenn sein Vertrag mit dem bisherigen Verein abgelaufen ist oder in den folgenden sechs Monaten ablaufen wird.“

Die Leidtragenden sind die Klubs

Seit einem Jahr wird über diesen Wechsel spekuliert, mehrfach hatten sich Beteiligte verplappert, Gerüchte über diverse Vorverträge kursierten. Beweisen kann das keiner. Vielleicht reichten beiden Parteien ja die vier Tage im neuen Jahr, um alles auszuhandeln. Schon öfter haben sich Vereine beschwert, dass Bayern sie nicht über Abwerbeversuche in Kenntnis setzte, was laut Fifa-Statuten ebenfalls Pflicht wäre.

Die Praxis zeigt, dass sich Spieler teils lange im Voraus an künftige Vereine binden, zumindest mündlich. Die Leidtragenden sind die Klubs, die die Spieler ausgebildet oder weiterentwickelt haben. Wenn der Spieler sich dann früh weigert, seinen Vertrag zu verlängern, müssen sie ihn fast schon vorzeitig gehen lassen, um wenigstens eine Ablöse zu kassieren.

Das alles ist ein Signal: Der langfristige Aufbau eines Teams lohnt sich nicht, das langfristige Anwerben von Profis schon. Nun kann die Fifa nicht jeden bespitzeln, wer wann mit wem welche Gespräche führt. Aber sie könnte eingestehen, dass der Transfermarkt spätestens seit dem Bosman-Urteil 1995 ein wildes Geschäft ist, das sich kaum regulieren lässt. Zumindest könnte die Fifa zeigen, dass sie nicht nur den Wilhelmshavens dieser Welt auf die Finger schaut.

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