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Kongress vor der WM 2014 : Joseph Blatter will erneut als Fifa-Präsident kandidieren

Nicht von dieser Welt? Joseph Blatter eröffnet den 64. Fifa-Kongress mit der Frage, ob Fußball auch auf anderen Planeten gespielt wird. Und gibt am Schluss noch bekannt, dass seine "Mission noch nicht beendet ist".

Kann nicht loslassen. Joseph Blatter will erneut FIFA-Chef werden.
Kann nicht loslassen. Joseph Blatter will erneut FIFA-Chef werden.Foto: dpa

Joseph Blatter hat in seiner Schlussansprache beim Kongress in Sao Paulo seine erneute Kandidatur als FIFA-Präsident im kommenden Jahr angekündigt. „Meine Mission ist nicht beendet, das sage ich Ihnen“, rief Blatter den Delegierten zu und erntete Applaus.

In seiner energischen Ansprache hatte Blatter zuvor die Delegierten des 64. Fifa-Kongresses zu ethisch und moralisch unantastbarem Handeln aufgefordert, seine Zukunftspläne aber vorerst noch nicht erwähnt. „Jeder Mensch hat die Wahl, seinen Weg einzuschlagen, egoistisch zu handeln oder nicht“, sagte Blatter am Mittwoch in Sao Paulo. Die Fifa müsse eine besondere soziale Aufgabe erfüllen, sagte der Chef des skandalumwitterten Weltverbandes. „Wir formen die Gesellschaft“, sagte der Schweizer.

Auf seine Ambitionen für eine weitere Amtszeit ging Blatter zunächst nicht ein. Er sprach allerdings von generell „großen Aufgaben in der Zukunft“. Den Konflikt mit den europäischen Vertretern, die seinen Abschied fordern, erwähnte er nur indirekt. „Fußball ist ein Multimillionen-Dollar-Geschäft. Er kreiert Möglichkeiten, aber auch Konfliktsituationen und Schwierigkeiten“, sagte Blatter. Blatter überraschte und verwirrte aber auch mit entrückten Aussagen, mit denen er offenbar die Bedeutung des Fußballs herausheben wollte. „Wir fragen uns, ob unser Spiel auch auf anderen Planeten gespielt wird. Wir werden nicht nur eine WM haben, sondern interplanetarische Wettbewerbe“, sagte der 78-Jährige.

Kein Alterslimit und keine Amtszeitbeschränkung für Fifa-Funktionäre

Im Laufe des Kongresses sprachen sich die Delegierten gegen eine Amtszeitbeschränkung und gegen ein Alterslimit für Spitzenfunktionäre des Fußball-Weltverbandes aus. Die Mehrheit der 209 Verbandsvertreter lehnte am Mittwoch beide Anträge ab. Damit ist die letzte Stufe der umstrittenen Demokratiereform im skandalumwitterten Weltverband krachend gescheitert.

Das Ergebnis ist eine bittere Niederlage für das deutsche FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger. Der frühere DFB-Präsident gilt als Architekt der Reform und hatte kurz vor der Abstimmung noch vor den Delegierten für eine Amtszeitbeschränkung geworben. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte unmittelbar vor dem Kongress seine Zustimmung geäußert und eine Einigung auf ein Modell mit drei Amtszeiten à vier Jahren angedeutet. Der wichtige Punkt war schon im vergangenen Jahr nach einem Disput zwischen der FIFA-Spitze und den europäischen Vertretern beim Kongress in Mauritius nicht geklärt worden und ist nun endgültig vom Tisch.

Blatter soll pikiert auf die Kritik aus Europa reagiert haben

Kurz vor Beginn des Kongresses hatte Wolfgang Niersbach auch nochmals den Abschied des Schweizers aus dem Amt im Mai 2015 gefordert. „Blatter hat sehr viel Gutes geleistet, aber dieser Übergang bietet sich an - sofern Michel geneigt ist. Platini ist seit 1998 in der Funktionärswelt drin“, sagte der DFB-Chef.

Die Uefa-Delegierten hatten Blatter am Dienstag bei ihrer internen Sitzung die Gefolgschaft für eine fünfte Amtszeit im Gegensatz zu den fünf anderen Fifa-Konföderationen klar verweigert. Blatter soll pikiert auf die durch den niederländischen Verbandschef Michael van Praag und den Engländer Greg Dyke vorgetragene Kritik reagiert haben, berichteten Sitzungsteilnehmer.

Niersbach sprach sich für Uefa-Chef Michel Platini als Nachfolger aus. „Er ist der Geeignetste“, sagte der DFB-Präsident, der mit dem Franzosen freundschaftlich verbunden ist. Im September will sich Platini zu seinen Ambitionen äußern. Platini muss allerdings sein Uefa-Amt niederlegen, um kandidieren zu können - angesichts einer drohenden Niederlage gegen Blatter am 29. Mai 2015 ein hohes Risiko. (dpa)

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