Sport : Konzentration durch Technik

WM-Serie, Teil 1: Die Moderne Fünfkämpferin Eva Trautmann über die Schwierigkeiten beim Schießen

Dagny Lüdemann

Am 16. August beginnt in Berlin die Weltmeisterschaft im Modernen Fünfkampf. Sechs Tage lang werden sich die Athleten auf dem Olympiagelände im Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Laufen messen. Bis es losgeht, erklärt an dieser Stelle jeden Tag ein deutscher Fünfkämpfer eine der Disziplinen. Heute: Eva Trautmann, 25, über das Schießen.

„Ich lege jede Woche etliche Kilometer zurück, weil ich bei so vielen verschiedenen Vereinen trainiere“, sagt Eva Trautmann aus Reinheim. Schwimmen trainiert sie in Darmstadt beim DSW 1912, Fechten beim DFC und zusätzlich beim HFC Rorbach in Heidelberg und Schießen in Lorsch. An den Start geht sie für den Darmstädter SV Moderner Fünfkampf.

Den Mehrkampf aus Schießen, Fechten, Schwimmen, Reiten und Laufen entdeckte sie vor acht Jahren – bei einem Schnupperkurs in den Herbstferien, der von dem ehemaligen Fünfkämpfer Jan Veder angeboten wurde. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich gleich nach den Ferien mit dem Training angefangen habe“, sagt Eva Trautmann.

Wenn die WM am Donnerstag in Berlin beginnt, werden die Athleten sich als erstes im Schießen messen. „Weil man damit anfängt, ist Schießen für den ganzen Wettkampf extrem wichtig“, sagt Trautmann. „Mit einem guten Schießergebnis startet man gleich positiv in den Wettkampf. Wie es läuft, ist allerdings stark von der Tagesform abhängig.“

Eva Trautmann findet es nicht immer leicht, gleich zu Beginn die Konzentration auf die Technik zu bewahren. „Ein nicht getroffener Ring kostet so viele Punkte wie eine Sekunde beim Schwimmen“, erklärt Trautmann. „Wobei man beim Schießen Schwankungen von fünf bis sechs oder sogar mehr Ringen hat.“ Das zeigt, wie viel die Fünfkämpfer gleich zum Start des Wettkampfes zu verlieren haben. „Außerdem ist Schießen schwer zu trainieren, weil man keinen echten Wettkampf simulieren kann,“ sagt Trautmann. Trotzdem versucht sie, mit ihren Teamkollegen auch im Training intern ein bisschen Druck aufzubauen – „zum Beispiel, indem wir um etwas wetten“.

Fünfkämpfer schießen weniger Schuss als die Sportschützen, die nur diese eine Disziplin betreiben. Im Fünfkampf wird 20 Mal je ein Schuss auf eine Zielscheibe abgegeben – pro Schuss hat der Sportler nur begrenzte Zeit. Außerdem ist die Zeit zum Einschießen und Vorbereiten kürzer als bei den Sportschützen. „Der Zeitdruck ist viel höher und Fehler machen sich schneller bemerkbar“, sagt Trautmann. Drei Mal in der Woche trainiert sie nur das Schießen. Hinzu kommt das Training für die anderen Disziplinen. Sie hat eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht und arbeitet jetzt Teilzeit bei der Sparkasse Darmstadt. Sponsoren hat sie, wie die meisten ihrer Mitstreiter, bisher keine. „Da ich noch professioneller trainieren möchte, werde ich ab Oktober 2007 der Sportfördergruppe der Bundeswehr beitreten“, sagt sie.

Für die Olympischen Spiele in Peking ist Eva Trautmann noch nicht qualifiziert. Dazu müsste sie bei der WM unter die ersten Drei kommen. „Dass ich das schaffe, halte ich für unwahrscheinlich“, sagt sie. Allerdings hat Trautmann noch eine andere Chance, ein Ticket nach Peking zu ergattern: „Wenn ich bei der WM ausreichend Punkte für die Weltrangliste sammle, kann ich mich doch noch für die Olympischen Spiele qualifizieren“, sagt sie. Die erste Hürde ist das WM-Halbfinale, in dem voraussichtlich die Hälfte der Frauen ausscheiden wird. Eva Trautmann hat sich große Ziele gesteckt: „Ich habe mir vorgenommen, das Finale zu erreichen.“

Morgen: Fechten

0 Kommentare

Neuester Kommentar