Sport : Kritiker vor dem Ausschluss IHF-Generalsekretär ist im Verband isoliert

Der umstrittene IHF-Präsident Hassan Moustafa plant den Ausschluss des kritischen Generalsekretärs

Erik Eggers[Zadar]
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Der Alleinherrscher. Präsident Moustafa beeindrucken die Vorwürfe nicht. Foto: Imago

Kämpft Peter Mühlematter sein letztes Gefecht? Der Schweizer Generalsekretär der Internationalen Handball-Föderation (IHF) ist offensichtlich isoliert, während sein Verband zurzeit in Kroatien die Weltmeisterschaft organisiert. Es ist, als habe der 64 Jahre alten Berner eine ansteckende Krankheit, so sehr meiden ihn die Funktionäre zurzeit. Doch es hat einen anderen Grund: Mühlematter ist mit massiven Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen. Er hat Hassan Moustafa, den umstrittenen IHF-Präsidenten, in der letzten Woche öffentlich zum Rücktritt aufgefordert. Dafür soll er nun bezahlen: Nach Informationen des Tagesspiegels will der IHF-Rat, der am Samstag in Zagreb tagt, den Schweizer ausschließen.

Die Vorwürfe gegen den ägyptischen Präsidenten und den spanischen Schatzmeister Miguel Roca sind inzwischen der gesamten Handballwelt bekannt. In der vergangenen Woche verschickte ein „Aktionskomitee für sauberen Handball“ ein vier Sprachen umfassendes Dossier an alle 159 Mitglieder der IHF, an die fünf Kontinentalverbände sowie an Nachrichtenagenturen. Als Absender fungierte die „Geri Staudenmann Kommunikations AG“ aus Bern. Niemand zweifelt, dass Mühlematter dieses Dossier lanciert hat.

Inhalt der brisanten Papiere sind Berichte internationaler Medien über die zahlreichen Skandale, die sich die IHF in den letzten Jahren leistete. Die unrühmliche Chronik beginnt mit dem Manipulationsskandal in der asiatischen Olympiaqualifikation für Peking 2008. Dieses Turnier im September 2007 in Toyota (Japan), bei dem die jordanischen Schiedsrichter im Spiel Kuwait gegen Südkorea (28:20) nahezu permanent gegen Südkorea gepfiffen hatten, musste die IHF nach internationalem Druck neu ansetzen, ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der modernen Olympischen Spiele. Und vor den Richtern des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) in Lausanne erklärten die IHF-Anwälte, dass Moustafa die ursprünglich vorgesehenen deutschen Referees Frank Lemme/Bernd Ullrich höchstpersönlich abgesetzt hatte. Hintergrund war eine öffentlich gewordene Absprache Moustafas mit dem kuwaitischen Präsidenten des Asiatischen Handballverbandes.

Doch Moustafa leistet sich nicht nur diesen spektakulären Korruptionsfall. Im April 2008 stellte sich heraus, dass der 54 Jahre alte Ägypter seit seinem Amtsantritt im November 2000 alle Dienstflüge ohne Ticket-Belege abgerechnet hat. Auf diese Weise kassierte Moustafa bis Juni 2007 knapp 600 000 Schweizer Franken, Konsequenzen gab es erneut keine. „Das ist eine Sache des Vertrauens“, erklärte der Ägypter damals dem NDR, er werde weiter so verfahren.

Vor zehn Tagen stellte sich heraus, dass die IHF eine abenteuerliche Anti-Doping-Politik betreibt. Nach Angaben von IHF-Medizinern hat die IHF noch nie eine Trainingskontrolle angeordnet. Moustafa habe ihm erklärt, das sei nur „rausgeworfenes Geld“, berichtete der Wiener Sportmedizner Hans Holdhaus. Moustafa verteidigte sich daraufhin, er habe mit alledem nichts zu tun. Peinlich allerdings für ihn, dass sich dann herausstellte, dass die IHF-Exekutive im Juli 2008 der Anti-Doping-Einheit tatsächlich ein Budget verweigert hatte. An der Spitze dieses Gremiums sitzt: Moustafa.

Mühlematter sagt, es sei an der Zeit, vor dem Wahlkongress im Juni über „personelle Änderungen zu sprechen, besonders über den Präsidenten und den Schatzmeister“. Sollte Moustafa wiedergewählt werden, würde sich laut Mühlematter „die Situation des Handballs weltweit verschlechtern“. Moustafa reagiert unbeeindruckt. Er geht von seiner Wiederwahl aus, ließ er in der letzten Woche wissen. „Ich kenne keinen Gegenkandidaten.“

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