Sport : Kubanisches Wunder

Seit dieser Saison darf Volleyballer Ferrer Cutiño endlich für den SC Charlottenburg spielen

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Berlin Er hatte damit gerechnet, dass so etwas passieren würde. Die Sperre, die Arbeitslosigkeit, der mühsame Neuanfang. „Aber das hat an meinem Entschluss nichts geändert“, sagt Gil Ferrer Cutiño vom SC Charlottenburg. Der kubanische Volleyballspieler war 31 Jahre alt, als er im Jahr 2002 seine Frau in Berlin besuchte – eine Deutsche, die er auf Kuba kennen gelernt und später dort geheiratet hatte. Gil Ferrer Cutiño stand vor einer der schwersten Entscheidungen seines Lebens: Sollte er der Liebe wegen in Deutschland bleiben oder zurückkehren nach Kuba, wo er als Mitglied der Beachvolleyball-Nationalmannschaft für die Olympischen Spiele 2004 in Athen trainierte? Ferrer Cutiño entschied sich für die Liebe, ohne zuvor die Zustimmung des kubanischen Volleyball-Verbands eingeholt zu haben. Er kehrte einfach nicht zurück. „Das war eine ganz spontane Entscheidung“, sagt Ferrer Cutiño. Die Konsequenzen bekam er schnell zu spüren: Der kubanische Verband verweigerte ihm die Freigabe. Der Weltverband verhängte darauf eine zweijährige Sperre gegen Ferrer Cutiño. Der Volleyball-Profi durfte nicht spielen, war plötzlich arbeitslos und lebte von Sozialhilfe. Dennoch wollte er wenigstens trainieren, und das tat er seit September 2002 beim Bundesligisten SC Charlottenburg. „Seine Frau rief bei uns an und sagte, dass sie da jemanden für uns habe“, sagt SCC-Geschäftsführer Günter Trotz. „Und nachdem er bei uns vorgespielt hat, haben wir gleich gesehen, dass er ein Spieler mit sehr hohem Leistungsniveau ist. Ein echtes Sprungwunder.“

Seit Beginn dieser Saison darf Ferrer Cutiño nun in der Bundesliga mitspielen. Zunächst aber verhinderte eine Verletzung seinen Einsatz. In den Champions-League-Spielen gegen Treviso und Innsbruck wurde er jedoch eingewechselt. Ob Ferrer Cutiño jetzt öfter zum Einsatz kommt, zum Beispiel heute beim Spiel gegen die Volley Dogs Berlin (19 Uhr, Grundschule Am Weiher), wird sich zeigen. Denn er ist ebenso wie Marco Liefke Diagonalspieler. Und auf dieser Position ist der Berliner Star Liefke eine Klasse für sich. Olympia verpasst, lange Zeit arbeitslos und jetzt nur zweite Wahl – bereut er seinen Umzug nach Berlin? „Nein“, sagt Gil Ferrer Cutiño. „Wenn ich nochmal die Wahl hätte, ich würde es wieder tun.“

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