Sport : Langes Auslaufen

München will auch nicht in den nächsten Monaten entscheiden, ob es sich noch einmal für Olympia bewirbt

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Berlin - München und der deutsche Sport sind derzeit ein Team. Am Mittwoch verkündete das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sich bei der Entscheidung um eine weitere deutsche Olympiabewerbung Zeit lassen zu wollen. Am Donnerstag nahm sich München daran ein Beispiel. „Die Entscheidung, ob sich die Landeshauptstadt München mit Garmisch-Partenkirchen und dem Berchtesgadener Land für das Jahr 2022 erneut um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben wird, wird nicht in den nächsten Wochen und Monaten fallen“, gab die Bewerbungsgesellschaft für die Winterspiele 2018 bekannt.

Deutschland wird also erst einmal dabei zuschauen, wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2013 in Buenos Aires die Sommerspiele 2020 vergibt, vielleicht ja an eine europäische Stadt wie Madrid. Gut möglich, dass erst dann eine Entscheidung über die nächste Bewerbung fällt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hätte es gerne anders gehabt und seine Stadt ins Rennen um 2020 schicken lassen. Doch dazu sei es zu spät, befand der DOSB. Ein erstes Indiz, dass er auch beim nächsten Mal Münchner Winterspiele Berliner Sommerspielen vorziehen wird? Im DOSB-Präsidium hieß es ohnehin, Wowereit wolle nur Wahlkampf betreiben.

Doch aus dem Berliner Sport erhielt der Regierende Bürgermeister Unterstützung. „Es ist doch Quatsch, zu sagen, dass Wowereit nur Wahlkampf machen will. Er hat schon vorher gesagt, dass Berlin sich bewerben will“, sagt Klaus Böger, der Präsident des Landessportbunds. München nun ohne weitere Aussprache eine weitere Chance zu geben, kommt für ihn nicht infrage. „Darüber wird eine Diskussion angestoßen, auch von mir“, sagt Böger, der auch Sprecher der Landessportbünde ist. „Sommerspiele sind nun einmal viel breiter als Winterspiele.“

Das IOC hatte am Mittwoch vor einer Woche dem südkoreanischen Kandidaten Pyeongchang den Zuschlag für die Winterspiele 2018 gegeben, nach Einschätzung von DOSB-Präsident Bach aus „geopolitischen Gründen“. Es sei um die Erschließung neuer Märkte gegangen. Klaus Böger sagt dazu: „Wenn es nur noch um Märkte geht, muss man sich überlegen, ob man diesen ganzen Zirkus überhaupt noch mitmacht. Ich habe den Eindruck, dass man die Unfehlbarkeit des Papstes eher infrage stellen darf als die des IOC.“ Die Entscheidung für Pyeongchang hält er auf jeden Fall für angreifbar. „Es geht doch bei Winterspielen auch um Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Aber was ist denn da bitte in Südkorea nachhaltig?“

Im Präsidium des DOSB herrscht auch aus diesem Grund noch Zufriedenheit über die Ideen der Münchner Bewerbung. „Es war doch ein einmaliges Konzept, Anlagen von Sommerspielen für Winterspiele zu nutzen“, sagt DOSB-Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper. Sie ist Professorin an der Freien Universität Berlin, schwenkt aber dennoch nicht auf den Kurs von Wowereit und Böger ein, sich mit Berlin um Sommerspiele zu bewerben. „Ich finde es angemessen, erst einmal alles zu analysieren. Die Münchner Bewerbung war auf jeden Fall die beste, die wir je hatten.“

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