Sport : Leben im Flugzeug

Volleyball-Trainer Culic pendelt zwischen Berlin und Belgrad

Karsten Doneck

Berlin. Montags ist Regeneration angesagt. Jedenfalls bei den Volleyballern des SC Charlottenburg. Nur Trainer Mirko Culic hat es dann eilig, zumindest alle sechs Wochen. Dann fährt er zum Flughafen Schönefeld und nimmt die Maschine nach Belgrad. Drei Stunden Hinflug. Drei Stunden zurück. Schon am Mittwoch landet Culic wieder in Berlin und leitet gleich wieder das Training. Die Kurzreisen sind mit dem SCC abgesprochen, sie werden vom Verein auch bezahlt. „Diese Flüge sind ein Zugeständnis unsererseits“, sagt SCC–Manager Kaweh Niroomand. Alle sechs Wochen sieht Culic in Belgrad seine Ehefrau Milica, hin und wieder kommt sie auch zum Gegenbesuch nach Berlin. Eine Fernehe, getrennt durch Volleyball.

Für die Culics ist das kein dauerhafter Zustand. Deswegen denkt der Trainer häufiger mal darüber nach, seine Tätigkeit in Berlin zu beenden. Seine Verträge mit dem SCC verlängert er ohnehin immer nur für ein Jahr, und es bedarf jedes Mal hoher Überredungskunst, den ehemaligen Zuspieler zum Bleiben zu bewegen. Das wird am Ende dieser Saison, der zweiten gemeinsamen, nicht anders sein. Treueschwüre gibt es beiderseits: Der SCC will Culic behalten, dem wiederum gefällt es in Berlin. Aber da ist eben auch die räumliche Trennung von der Ehefrau.

Der SCC hat viel zur Familienzusammenführung versucht. Nichts klappte. Da wollte der Verein für Milica Culic in Berlin einen Job finden. Das scheiterte zum einen daran, dass die Dame in Belgrad in einer Bank einen krisensicheren und sehr gut dotierten Job ausübt, und adäquate Stellen in Berlin rar sind. Aber auch mit Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis gäbe es Probleme. Culic bemüht sich folglich um die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Verfahren läuft und läuft, seit nunmehr einem Jahr schon, das Ende ist unabsehbar, das Ergebnis auch.

Mirko Culic ist Ende der Achtzigerjahre nach Deutschland gekommen. Von 1993 an spielte er fünf Jahre in Berlin. Danach sammelte er in den USA erste Erfahrungen als Trainer eines Collegeteams. Der Amerika-Aufenthalt war wohl kalkuliert: Auch Culics Frau arbeitete seinerzeit dort. Gemeinsam kehrten sie aus Amerika zurück nach Europa, dort trennten sich ihre Wege wieder. Culic folgte zur Saison 2001/02 dem Ruf des SCC, der ihn unbedingt als Trainer wollte.

Culic über Saisonschluss hinaus zu halten, könnte sich für die Charlottenburger vereinfachen, wenn das Team Deutscher Meister wird. Einen Schritt in diese Richtung will der SCC am Sonntag (15 Uhr, Sömmeringhalle) gegen den TSV Unterhaching machen. Wer dieses Spitzenspiel gewinnt, hat als voraussichtlicher Tabellenzweiter hinter dem VfB Friedrichshafen nach der Normalrunde die günstigere Ausgangspositon für die folgenden Play-offs. „Wenn wir als Meister in der nächsten Saison in der Champions League spielen – das würde sich der Mirko doch nicht nehmen lassen“, sagt Niroomand. Die Ehefrau hätte vielleicht auch Verständnis. Milica Culic weiß nämlich aus eigener Erfahrung, dass Erfolge im Sport zum Genießen da sind. Sie war mal Basketballprofi.

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