Sport : Mainz gibt’s in England nicht

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Berti Vogts steht für die unter Geometrielehrern gern zitierte Erkenntnis, nach der die Breite an der Spitze dichter geworden ist. Wo er Recht hat, hat er Recht, auch wenn es den Münchner Traditionalisten in der Bundesliga nicht gefallen wird. Eigentlich ist diese Saison wie gemalt für den FC Bayern, denn sie folgt keiner kräftezehrenden Welt- oder Europameisterschaft, bei der die Münchner bekanntlich immer besonders stark belastet werden. Auf dieser ausgeruhten Basis haben sie 2010 Meisterschaft und Pokal gewonnen und sind im Champions-League-Finale von Madrid nur am Beton des FC Internazionale Mailand abgeprallt.

Warum verlieren sie dann jetzt auf einmal gegen Mannschaften wie Mainz und Hannover und dazu Platz eins in der Bundesliga? Nationalspieler Thomas Müller spricht bereits von einem „Tiefpunkt“.

Nun ist der Tiefpunkt in der Tabelle auf Platz drei (einen Punkt hinter dem Ersten) doch recht komfortabel angesiedelt. Aber wenn die Bayern so tief fallen, muss es schon eine Krise sein. Diese Sorgen hätten andere Ligen gern. Zum Beispiel in England, wo Manchester United höchstens mal gegen die lokale Konkurrenz von City oder Chelsea verliert. Aber nie und nimmer gegen Stoke oder Fulham, englische Pendants zu Mainz und Hannover. In Spanien gab es zuletzt 2004 einen Meister, der nicht aus Barcelona oder Madrid kam, und Italien… ach, Italien!

Der höhere Unterhaltungswert der Bundesliga ist in den vergangenen Jahren oft genug konterkariert worden mit dem Argument, dass die nationale Konkurrenzfähigkeit leider keine Fortsetzung in der Champions League fand. Doch der Trend hat sich gedreht. 2010 waren die Bayern im Finale, 2011 die Schalker in der Vorschlussrunde. Jetzt stehen vorzeitig die Bayern und Leverkusen im Achtelfinale – auch deshalb, weil sie in der heimischen Liga Woche für Woche gefordert werden. Nicht nur von Schalke und Dortmund, sondern auch von Mainz und Hannover.

Schöne Sache, so eine dichte und breite Spitze.

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