Sport : Mainz macht dicht

Der FSV startet mit drei Siegen in die Saison.

Reinhard Sogl
Nach dem Traumpass. Johannes Geis (r.) leitete den zweiten Treffer ein. Foto: dpa
Nach dem Traumpass. Johannes Geis (r.) leitete den zweiten Treffer ein. Foto: dpaFoto: dpa

Mainz – Der Mainzer neigt auch außerhalb der Karnevalszeit zum Überschwang. Insofern verwunderte es nicht, dass die Anhänger des FSV Mainz 05 nach dem dritten Sieg im dritten Ligaspiel „Europapokal“ skandierten. Derlei Fantasien sind dem aus Schwaben stammenden FSV-Trainer Thomas Tuchel völlig fremd. Nach dem 2:0 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg, der nach der Gelb-Roten Karte für den Millionen-Einkauf Luiz Gustavo seine Hoffnungen auf einen Punktgewinn begraben musste, sagte der Coach des Tabellenvierten nur: „Das ist eine tolle Momentaufnahme. Wir genießen es, heben aber nicht ab.“ Es sei „außergewöhnlich, so zu starten.“

Außergewöhnlich vielleicht, aber nicht einmalig. Vor drei Jahren stellten die damaligen Mainzer Helden André Schürrle und Lewis Holtby mit sieben Siegen in Folge einen Startrekord auf. Wie Tuchel waren auch die Nachfolger der in England gelandeten Nationalspieler bemüht, sich noch nicht mit dieser Leistung zu vergleichen. „Wir haben erst drei Siege, wir können da vielleicht drüber reden, wenn wir sechs haben“, sagte Nicolai Müller, der den zweiten Treffer erzielt hatte. „Im Moment überlege ich nicht lang, ich treffe die Kugel einfach gut“, sagte der 25-Jährige nach seinem vierten Saisontor. Tuchel attestierte seinem Torjäger einen „Flow“, Müller blieb bei der deutschen Sprache und attestierte dem Tabellendreizehnten der vergangenen Saison „einen kleinen Lauf“.

Der Jung-Nationalspieler hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Mainzer die Bedenkenträger schnell verstummen ließen, die der Mannschaft eine schwere Saison prophezeiten nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Adam Szalai, Andreas Ivanschitz oder Jan Kirchhoff. Den vermeintlichen personellen Aderlass machten die Mainzer mit sieben Neueinkäufen und altbekannter Kompaktklasse wett. „Wir sind stabil und in der Breite sehr gut aufgestellt“, sagte Nicolai Müller.

Eine dieser neuen Alternativen ist der erst 20 Jahre alte Johannes Geis, der Routinier Elkin Soto aus der Stammelf verdrängte. Der frühere Fürther krönte seine starke Leistung gegen die in der ersten Halbzeit dominierenden Wolfsburger, als er mit einem Traumpass auf Müller das 2:0 einleitete. „Er hat eine bemerkenswerte Qualität für sein Alter“, lobte Tuchel das Talent, das auch den Eckball vor dem Führungstreffer durch Eric Maxim Choupo-Moting geschlagen hatte.

Geis mochte seine Vorstellung nicht überbewerten und verwies auf die mannschaftliche Geschlossenheit. „Jeder hilft jedem, das zeichnet uns aus“, sagte der defensive Mittelfeldmann. „Das Schlagwort war: Unterstützung. Wir wollten die Räume verdichten“, erklärte Tuchel und ergänzte: „Die Mannschaft hat einen unglaublichen Zusammenhalt und in der Saisonvorbereitung den Willen und die Lust auf die Konsequenz entwickelt, Spiele zu gewinnen.“

Mainz punktete in den Heimspielen aber nicht mehr mit aggressivem Pressing, sondern setzte gegen Wolfsburg wie schon zum Auftakt gegen Stuttgart auf eine Kontertaktik. Geis gab zu, dass auch robustes Zweikampfverhalten Teil des Matchplans gewesen sei, um Diego und Gustavo zu neutralisieren: „Wir wollten wenig Foul spielen, aber schon mit der nötigen Härte. Wir definieren uns über Teamgeist, da gehört das dazu.“

Gegen körperbetonte Spielweise hat auch der Wolfsburger Trainer Dieter Hecking nichts einzuwenden, gegen vermeintliche Ungleichbehandlung durch den Schiedsrichter schon. Hecking monierte, dass Thorsten Kinhöfer bei Mainzer Attacken nachsichtiger gewesen sei als bei seinem Team. Die Gelb-Rote Karte für Luiz Gustavo nannte er aber „berechtigt“. Reinhard Sogl

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