Manchester City : Frustriert unter Champions

Viele Jahre blieb Manchester City ohne Titel, am Mittwochabend wird der Klub gegen den FC Barcelona wohl aus der Champions League ausscheiden. Die Fans versuchen trotzdem, über Misserfolge hinwegzusehen.

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In Schräglage geraten. Manchester City verlor zuletzt wichtige Spiele wie am Wochenende gegen Wigan. Angreifer Sergio Aguero (vorn) zählt zu den Spielern, die in schwierigen Phasen gern mal abtauchen.
In Schräglage geraten. Manchester City verlor zuletzt wichtige Spiele wie am Wochenende gegen Wigan. Angreifer Sergio Aguero...Foto: AFP

Uwe Röslers Sohn heißt Colin. Der Thüringer verliebte sich so sehr in den Manchester City FC, als er in den Neunzigern dort Spieler war, dass er sein Kind nach der City-Legende Colin Bell benannte. In der blauen Hälfte Manchesters wurde Rösler so erfolgreich und so beliebt wie sonst nirgendwo in Deutschland oder England.

Als er am vergangenen Sonntag zu seinem alten Arbeitgeber zurückkehrte, war es ein dementsprechend emotionaler Nachmittag. Die City-Fans, die mittlerweile an viel größere Stars als Rösler gewöhnt sind, haben ihn herzlich empfangen. Er revanchierte sich, indem er sein Team Wigan zu einem Sensationssieg im FA-Cup-Viertelfinale führte und damit Citys Hoffnung auf das Triple zerstörte.

Eigentlich hat er seinem alten Klub damit einen Gefallen getan. Denn City brauchte einen Weckruf in dieser Saison. Die Mannschaft von Manuel Pellegrini wurde so unendlich gelobt, als wäre sie nicht Vierter in der Premier League, sondern weit enteilter Tabellenführer.

Die Lobhudelei ist teilweise gerecht. Wenn sie ihr Leistungsvermögen abrufen, sind die Blauen aus Manchester mit Abstand die beste Mannschaft der Liga. Aber das haben sie nicht oft genug gemacht. Deswegen stehen sie auch nicht an der Tabellenspitze. Deswegen haben sie gegen Wigan verloren. Und deswegen stehen sie heute Abend gegen den FC Barcelona vor dem Aus in der Champions League. Im Hinspiel verlor City zu Hause mit 0:2. Eigentlich war ein derartiger Rückstand nicht völlig verdient, aber die Probleme, die dazu führten, waren erkennbar. Taktisch hat die Mannschaft Schwierigkeiten, wenn sie nicht dominieren kann, und in der Defensive gibt es allzu viele vermeidbare Fehler.

Am Anfang der Saison war es Joe Hart, der immer wieder patzte. Mittlerweile hat sich der englische Nationaltorhüter gefestigt, dafür steht jetzt der frühere Bayern-Spieler Martin Demichelis ständig in der Kritik. Pellegrinis Vertrauen in Demichelis ist für die meisten City-Fans unverständlich, zu oft verliert er seine Konzentration. Zuletzt gegen Wigan, als Demichelis einen Elfmeter und damit das erste Gegentor verschuldete. Genauso war es im Hinspiel gegen Barcelona.

Der Argentinier ist nicht der Einzige. Die Linksverteidiger Gael Clichy und Aleksandr Kolarov wirken oft schläfrig. Citys Kapitän und Leader in der Innenverteidigung, Vincent Kompany, kommt erst in den letzten Wochen wieder in Topform. In dieser Saison hat City zwar nur 27 Gegentore kassiert, aber diese fielen immer, wenn es wichtig wurde. Gegen Chelsea. Gegen Barcelona. Gegen Wigan.

Die Probleme in der Defensive hängen viel mit der offensiven Spielphilosophie von Pellegrini zusammen. Wenn der schnelle, angriffsfokussierte Fußball funktioniert, ist City schwer zu schlagen. Wenn sein Team aber gegen eine Mannschaft mit einer funktionierenden Taktik aufläuft, bricht es zusammen. So wie zuletzt gegen Wigan, als Uwe Röslers Team den angreifenden Mittelfeldspieler Yaya Touré clever aus dem Spiel nahm.

Natürlich hat City nicht nur Probleme. Der Angriff bleibt einer der gefährlichsten in Europa, und Touré und Sergio Aguero hätte fast jeder Trainer gerne im Kader. Auch der große FC Bayern hat in der Gruppenphase erlebt, wie tödlich Citys schnelles Angriffsspiel sein kann.

Gerade deswegen ist die Situation in der Champions League so frustrierend. Erst in dieser Saison hat die Mannschaft gezeigt, dass sie mental stark genug ist, um in Europa Erfolg zu haben. Dass sie sich gegen Barcelona wegen kleiner, individueller Fehler trotzdem blamierte, ist fast schwerer zu ertragen, als das zweimalige Aus in der Gruppenphase in den vergangenen beiden Jahren. In der Liga sind sie immer noch in der Lage, den Titel zu gewinnen. Aber in den Pokalwettbewerben schadet sich das Team selbst mit seiner Neigung, unnötige Fehler zu machen.

Das Gute für Pellegrini ist, dass dieser Klub trotz Investor viel Wert auf Geduld legt. Der Trainer weiß, dass er am Ende der Spielzeit nicht entlassen wird, wenn er die Champions League nicht gewinnt. Da will sich der Scheich von dem ungeduldigen Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch unterscheiden. Dafür haben auch die Fans zu viel Schmerz in den vergangenen Jahrzehnten erlebt, um solch kleine Misserfolge zu hoch zu bewerten.

Vielleicht ist das auch eine Schwäche des Klubs. Er war so lange unten, dass der Erfolg immer noch fremd ist. Auch für die neue Superstar-Generation ist der Druck zu gewinnen nicht so groß, wie beim FC Bayern, FC Barcelona oder Manchester United. Die Fans der Blauen sind immer noch blauäugig. Für sie ist der Europapokal trotz der unnötigen Pleiten immer noch ein großes Abenteuer. Denn zu einfach erinnern sie sich an die Tage, als Uwe Rösler noch der große Star war.

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