Marcel Noebels von den Eisbären Berlin : Entschlossener Torjäger

Ein Torjäger, der andere mitreißt: Seit der Rückkehr von Marcel Noebels läuft es bei den Berlinern besser.

Besser mit Noebels als ohne Noebels.
Besser mit Noebels als ohne Noebels.Foto: dpa

Als es vor ein paar Wochen mal wieder gar nicht lief bei den Eisbären, da hatte ihr Verteidiger Micki DuPont eine simple Entschuldigung parat. „Uns fehlt die gesamte Saison unser bester Stürmer, das darf man nicht vergessen“, sagte der Kanadier. Es waren Worte, die sein Trainer überhaupt nicht mag. „Die Spieler, die verletzt fehlen, die sind immer die besten“, sagt Uwe Krupp. Das sei nur eine Ausrede. Im Falle des Berliner Klubs aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) hat der erfahrene Kanadier DuPont aber wohl recht: Der stärkste Angreifer der Berliner heißt Marcel Noebels. Und seitdem der wieder spielen kann, spielen die Eisbären besser.

Vier Spiele, drei wichtige Tore, so lautet die Saisonbilanz von Noebels. Zuletzt schoss er nun am Freitag den 5:4-Siegtreffer gegen den ERC Ingolstadt, der den Eisbären einen Spieltag vor Ende der Hauptrunde die Teilnahme an den Pre-play-offs sicherte. Noebels reagierte wieder einmal am schnellsten und drosch den Puck entschlossen ins Tor. Zwei Minuten vor Schluss. Das kann Marcel Noebels, er ist mit seinem schnellen Spiel, seiner Nervenstärke und Entschlossenheit ein Typ Spieler, der mitreißt, wie Krupp feststellt. „Er macht unheimlich viel für uns, das geht schon in der Kabine los. Wir sind froh, dass er wieder da ist“, sagt der Trainer.

Dabei hatte Noebels im September einen Kreuzbandriss erlitten. Dass er nun ein halbes Jahr später schon wieder so aufspielt und auf Anhieb die Eisbären führen kann, das durfte niemand erwarten. Nicht einmal er selbst. „Vielleicht läuft es deshalb so gut, weil ich fast die ganze Saison nicht gespielt habe und unverbraucht bin“, sagt Noebels und lächelt. Damit sich aufkeimender Verdacht des Selbstlobs nicht entfalten kann sagt er noch: „Ohne den Barry und den Julian würde mir das bestimmt alles nicht so gut gelingen.“Der Barry und der Julian – die beiden Stürmer, den in dieser Saison so gut wie gar nichts gelang. Sie sind nun also Reihenpartner von Noebels. Der US-amerikanische Torjäger Tallackson mit dem einen Saisontor und der Kanadier Talbot, dessen Vertrag sie nach der Saison in Berlin wohl kaum verlängern werden. Aber die beiden Nordamerikaner blühen nun auch auf, seit Noebels an ihrer Seite stürmt.

Mit der NHL hat Noebels wohl innerlich abgeschlossen

Von seiner Stärke her hätte der Mann vom Niederrhein vielleicht auch in einer anderen Liga spielen können als in der DEL. Dass es bei Noebels in Nordamerika nicht zum Sprung in die National Hockey-League gereicht hat, verwundert regelrecht. Die Philadelphia Flyers hatten sich 2011 die Rechte an dem gelernten Center gesichert. An sich hätte der groß gewachsene schnelle Mann, Noebels misst 1,92 Meter, von seinen Anlagen her eine ähnlich NHL-Karriere hinlegen können wie Tobias Rieder, der allerdings ein etwas anderer Spielertyp ist. Aber irgendwie habe es nicht gepasst, hat Noebels vor gut zwei Jahren bei einer Ankunft in Berlin einmal erzählt. „Du triffst halt nicht immer den Trainer, der dich dann auch mag.“

Bei den Eisbären hat er in Fragen Sympathiepunkte keine Probleme, bei den Anhängern ist er außerordentlich beliebt. Er kommuniziert auch mehr mit ihnen als die anderen Profis, etwa über das soziale Netzwerk „Twitter“. Da ließ sich auch genau die Zeit der Rehabilitation von Noebels verfolgen, die er ja in der Trainingsstätte beim großen Bruderklub der Eisbären, den Los Angeles Kings, erfolgreich abrundete.

Im März wird Marcel Noebels 25 Jahre alt, mit der NHL hat er wohl innerlich abgeschlossen. Andere Ziele bleiben für den deutschen Nationalspieler, etwa die Teilnahme an der WM in Köln und Paris im Mai. Vorher allerdings kann er noch mit den Eisbären aus einer ohne ihn verkorksten Saison eine am Ende gute Saison machen: Am Sonntag spielen die Eisbären im letzten Spiel der Hauptrunde gegen die Iserlohn Roosters (14 Uhr, Arena am Ostbahnhof), danach kennen sie ihren Gegner in den Pre-play-offs. Er wird aus Bremerhaven oder Straubing kommen. Noebels sagt, es sei ihm egal, gegen wen es geht. „Hauptsache wir starten mit dem Heimvorteil die Runde, das heißt also gegen Iserlohn müssen wir unbedingt gewinnen“, sagt er. Lächelnd, aber so entschlossen, dass kein Widerspruch gilt. Mit Marcel Noebels sind die Eisbären eben stärker.

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