Marcel Reifs Kolumne : Bayer Irrtum

Bayer Leverkusen ist neun Punkte von den erhofften Plätzen der Champions League entfernt. Dies ist nun die Quittung, die Bayer für seine zahlreichen Irrtümer der näheren Vergangenheit bekommt, meint unser Kolumnist Marcel Reif.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

So viele Irrtümer, so viele falsche Hoffnungen! Ob sie jetzt in Leverkusen die Quittung bekommen von Ballack und anderen für all ihre, nein, es waren keine Fehler, es waren Irrtümer? Es irrt der Mensch, so lang er strebt, und dass sie in Leverkusen nicht streben würden, ist ihnen wahrlich nicht zu unterstellen. Fangen wir bei Michael Ballack an. Der hatte in Chelsea keinen langfristigen Vertrag mehr angeboten bekommen, den Schuss vor den Bug aber nicht als solchen verstanden. Es hätte Vereine gegeben, zu denen er mit seinem – nennen wir es Feldherrenfußball – gepasst hätte. Der ist noch nicht passé, nur weil Effenberg nicht mehr spielt. Aber in Leverkusen sind sie gerade dabei, einen Fußball aufzubauen, der jung, dynamisch und lauffreudig ist, nach dem Dortmunder Vorbild und vielleicht auch nach dem der Nationalmannschaft. Dass dieser Plan mit Ballack kompatibel ist, war der erste Irrtum von Ballack und der zweite Irrtum in der Angelegenheit, diesmal begangen vom Klub. Wer Ballack letztendlich geholt hat? Rudi Völler nimmt die Verpflichtung heute tapfer auf sich, aber mal angenommen, die Marketingabteilung des Konzerns war involviert, dann fragt man sich, warum Ballack, warum Völler das mit sich haben machen lassen. Schon Trainer Jupp Heynckes hatte nur Zirkus mit dem alternden Star, dem man wohl auch nicht zu nahe tritt, wenn man ihm gewisse egomanische Züge nachsagt.

Dann der nächste Irrtum. Nämlich einen Trainer zu verpflichten, mehr ein Trainermodell, dessen Funktionsfähigkeit wohl in Freiburg nachgewiesen wurde, aber, mein Gott, die haben dort unten im Breisgau andere Pläne als in Leverkusen. Robin Dutt bekam dann auch sehr schnell Probleme, dass aber dann ein Vorstandsmitglied öffentlich den Spieler Ballack auffordert, doch ein gutes Wort für den Trainer einzulegen, für den Trainer, der ihn nicht gerade auf der Sänfte trägt, kann schon nicht mehr als Irrtum verniedlicht werden. Und wenn dann noch der Geschäftsführer Holzhäuser das Bedürfnis hat, sich zu äußern und die Causa Ballack als „Nebengeräusch“ bezeichnet, die es „abzuwickeln“ gelte, dann ist das wegen all der Verdienste, die der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft für eben diesen deutschen Fußball hat, nur noch zum Fremdschämen. Wie sich dieses Nebengeräusch sportlich auswirkt? Bayer Leverkusen ist mit einem Kader, der besseres verdient hat, nach dem Remis gegen den VfB Stuttgart doch neun weite Punkte entfernt von den erhofften Plätzen der Champions League. So was kommt eben von so was. Und nicht nur Hochmut vor dem Fall. Manchmal auch der durchaus menschliche Irrtum.

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