Marcel Reifs Kolumne : Bescheidenheit am Main

Beim 1:1 gegen Mitaufsteiger Greuther Fürth hat Eintracht Frankfurt zwei Punkte liegen gelassen. Möglicherweise ist das Unenetschieden genau das Richtige für eine erfolgreiche Zukunft der Eintracht, meint unser Kolumnist Marcel Reif.

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Oh weh, da hat Eintracht Frankfurt wohl am Freitagabend gegen die Fürther zwei Punkte verschenkt auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft und in die Champions League. Wird wohl dann doch nichts mit dem Titelgewinn und der europäischen Bühne. Könnte aber auch sein, dass die Herren Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender) und Veh (Trainer) insgeheim froh sind über die Punktverluste. Weil dieses 1:1 gegen den Mitaufsteiger möglicherweise ein paar Emotionen dämpft im traditionell überhitzten Frankfurt. Und weil es ihre Argumentation stützt, nach der es bislang sehr gut läuft für die Eintracht. Und mehr nicht.

48.000 waren gegen Fürth im Stadion, was einerseits zeigt, dass die Begeisterung groß ist am Main über den Wiederaufstieg, und andererseits, dass die Begehrlichkeiten wohl ebenso groß sind. Die aber sind irreal. Fakt ist, dass die Eintracht sich inzwischen gute Chancen erarbeitet hat, nicht abzusteigen. Dass ist vorderhand nicht so erstaunlich, weil die Eintracht kein klassischer Aufsteiger ist, keine Laufkundschaft, wie mit Verlaub der Gegner am Freitagabend. Aber es ist dann doch sehr erstaunlich, weil Erfolg, Kontinuität, Seriosität und Gelassenheit mit Eintracht Frankfurt über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, nicht kompatibel waren. Es gab mal eine Zeit – und ich rede nicht von den Schwarz-Weiß-Bildern der Eintracht, die glorreich gegen Real Madrid 3:7 verlor – da schnupperten die Frankfurter an den großen Fleischtöpfen, da hatten sie die Chance, dorthin zu gelangen, wo heute Borussia Dortmund oder Schalke 04 stehen.

Das war, als sie unter Trainer Stepanovic fast Meister geworden wären. Aber Lebbe ging weider und die Eintracht den Main hinunter. So weit, dass sie glaubten, in voller Panik und Abstiegsangst Christoph Daum als Trainer verpflichten zu müssen. Nach Lage der Dinge werden sie in Frankfurt so unbedarft und unbedacht nicht mehr handeln. Veh und Bruchhagen haben sich zusammengeruckelt und wenn sie diesen Kurs beibehalten, werden sie weiter an einem Fundament basteln, auf dem einem nicht Bange werden muss für die Eintracht. Sie werden bescheiden bleiben müssen. Soll heißen: Sie werden die Champions League in dieser Saison eher nicht erreichen, sie werden auch nicht Deutscher Meister werden. Aber etablieren als stabile Bundesligamannschaft, das werden sie sich.

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