Marcel Reifs Kolumne : Die Musterschüler aus München

Der FC Bayern München sichert sich bereits am 28. Spieltag vorzeitig die Meisterschaft und erinnert unseren Kolumnisten Marcel Reif an einen Musterschüler, der für zwei Jahre aus dem Tritt gekommen war.

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Endlich wieder jubeln: Die Bayern mussten zwei Jahre ohne die Meisterschale auskommen, doch die Wartezeit hat nun ein Ende.
Endlich wieder jubeln: Die Bayern mussten zwei Jahre ohne die Meisterschale auskommen, doch die Wartezeit hat nun ein Ende.Foto: dpa

Was soll’s. der FC Bayern München ist Deutscher Meister. Das war ja schon länger klar, jetzt ist es auch rechnerisch sicher. Ein bisschen war es in den vergangenen zwei Jahren so wie beim Musterschüler, der kurzzeitig, warum auch immer, aus dem Tritt geraten ist. Plötzlich musste er nachsitzen, musste seine Hausaufgaben machen, hatte Nachhilfelehrer, die Borussia Dortmund hießen oder Didier Drogba mit seinem Kopfballtreffer im Finale der Champions League. Es gab also Defizite beim Musterschüler, es gab eine gewisse Sattheit im Kader, die Mannschaft stellte sich von selbst auf, die Torschützen waren gewiss, die Abwehr auch, es gab ein paar Schwachstellen.

Und die haben sie abgearbeitet in München. Meisterlich. Nehmen wir Javi Martinez. Den zu holen, war alleine schon wegen dessen Qualitäten ein guter Griff. Und dann hat seine bloße Existenz im Kader dem einen oder anderen zum Leistungsprung verholfen. Bastian Schweinsteiger auf jeden Fall ist nicht mehr an der Schwelle zur Weltklasse, die Schwelle hat er überschritten. Oder Mario Mandzukic. Der hat Mario Gomez auf Trab gebracht, wenn auch gestern nicht so doll.

Und welchen Fußball sie spielen können, haben sie beim 9:2 gegen den HSV gezeigt. Und welchen Fußball sie spielen müssen, wenn man sie nicht lässt, haben sie gegen Juventus demonstriert. Und was sie sonst noch alles können, hat Schweinsteiger bei seinem Treffer gestern gegen die Frankfurter Eintracht dargeboten. Hacke, Tor, Meisterschaft.

Es ist im Übrigen der 50. Titel, den der heutige Präsident Uli Hoeneß als Spieler, Manager, Präsident geholt hat. Gibt es weltweit jemand im Fußball, im Sport, der eine solche Bilanz vorzeigen kann?

Jupp Heynckes darf natürlich nicht vergessen werden in einer Eloge über den FC Bayern, den man nicht mögen muss, aber dem man für alles Geleistete den höchsten Respekt entgegenbringen muss. Heynckes, der gute Mann, man kann es nicht hoch genug schätzen, was er in München geleistet hat. Sie haben in München nun ein Luxusproblem, eher ein Luxusdilemma, dass sie einen neuen Trainer verpflichtet haben, Pep Guardiola, einen Mann, den man verpflichten muss, wenn man ihn sich leisten und haben kann. Und müssen einen Trainer in die Rente schicken, der den strauchelnden Musterschüler wieder zum Primus gemacht hat. Es bleibt zu hoffen, dass sie diesen Abschied in Würde und angemessener Wertschätzung vollziehen. Aber nun haben sie alles richtig gemacht in München in dieser bisher für sie so spektakulären Saison. Meisterlich. Meinen Glückwunsch. Und meine Verbeugung vor Jupp Heynckes.

Marcel Reif ist Chefkommentator bei Sky.

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