Marcel Reifs Kolumne : Freiburg oder Nürnberg? Einen muss es treffen

Anlässlich des Kellerduells zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem SC Freiburg beschäftigt sich unser Kolumnist Marcel Reif mit den beiden Vereinen und gibt eine Prognose ab, wer eher in der Liga bleibt.

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Mit Hängen und Würgen: Der 1. FC Nürnberg und der SC Freiburg kämpfen um den Klassenerhalt.
Mit Hängen und Würgen: Der 1. FC Nürnberg und der SC Freiburg kämpfen um den Klassenerhalt.Foto: imago

Oha, ich weiß nicht, wo das hingeht mit den Nürnbergern, mit den Freiburgern. Vom Gefühl her gebe ich den Freiburgern mehr Chancen aus der Misere zu kommen, nicht nur wegen des 3:0-Sieges am Samstag. Ein Klub, der Fans hat, die einen Torwart feiern, obwohl er ihnen gerade quasi drei Eigentore eingeschenkt hat, darf nicht verkommen.

Auf der anderen Seite der 1. FC Nürnberg. Der war mal, was viele heute nicht mehr wissen, Rekordmeister. Das ist natürlich lange her, war in einer Zeit, als der Fußball noch ein anderer Sport war als er heute ist. Aber daraus haben sie sich in Nürnberg ihr Wertgefühl erhalten: zu glauben, wichtig und bedeutsam zu sein. Und weil sich dieses Gefühl in vielen Jahren des Ab- und Aufstieges, Ab- und Aufstieges, Ab- und Aufstieges nie mehr wirklich bestätigte, haben sie sich in Nürnberg inzwischen eine Art Grundpessimismus zugelegt. Wird eh nichts, klappt nicht, wir bleiben der Club am Rand der Liga. Mal drin, Mal draußen. Sind die Deppen der Ersten Liga und die Könige der Zweiten Liga, die aber schon wieder Deppen sind, wenn sie nach oben streben.

Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Die Freiburger haben sich in diesen Jahren im Breisgau gemessen. Im Schwarzwald, wo sie nur Dank der Natur Rasen hatten, wo andere Klubs auf dem Niveau auf Asche kicken. Will sagen: Der SC Freiburg war nie prädestiniert, in der Bundesliga mitzuspielen. Aber sie hatten einen Trainer wie Volker Finke, hatten einen Präsidenten, der wegen Herzinfarktgefahr nicht ins Stadion ging, hatten Lust am anders sein und daran, nicht dazuzugehören. Jahrelang haben sie Spieler ausgebildet, gute Spieler, die mit Gewinn für den Verein in die große Fußballwelt auszogen. Jetzt hat es sie nach der famosen Vorsaison arg getroffen. Gleich fünf Spieler haben sich verabschiedet. Das heißt: Neuanfang, Neuaufbau, alles von vorne. Aber sie haben dort eben einen Trainer, der genau das weiß, der nicht mehr will, der die Qualifikation für die Euroleague eher als Unfall oder Zufall begreift.

Auf der anderen Seite haben die Nürnberger nun den Trainer Gertjan Verbeek. Der wird von allen vorab gelobt, auch von Louis van Gaal. Ob dessen Lob zielorientiert ist, sei dahingestellt. Richtig ist und von der Geschichte belegt: Wer in Nürnberg zuviel will, nämlich die Tradition wieder beleben möchte, wird scheitern. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, weil ich ja grundsätzlich niemand den Niedergang wünsche. Aber irgendjemanden muss es treffen. Und nach den 90 Minuten zwischen den Clubberern und den Breisgauern sehe ich schwarz für den 1. FC Nürnberg.
Marcel Reif ist Sky-Chefkommentator.

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