Marcel Reifs Kolumne : Hannover 96 und der Krümel Europa League

Am fünften Spieltag der Saison betrachtet unser Kolumnist Marcel Reif Bayerns Gegner Hannover 96 ausgiebig und stellt fest: Alles hat Hand und Fuß.

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Hannover 96 war gegen den Rekordmeister sehr defensiv eingestellt und verteidigte hartnäckig.
Hannover 96 war gegen den Rekordmeister sehr defensiv eingestellt und verteidigte hartnäckig.Foto: afp

Und warum sollen sie sie nicht auch mal besiegen? Die Bayern, die so entrückt erscheinen? Entrückt ist eine Formulierung, die so entfernt ist von Hannover 96 wie der Mond nicht von der Erde. Es gibt nichts mehr zu meckern über die Niedersachsen. Dass dort jetzt Eintracht Braunschweig als lokaler Publikumskonkurrent auch in der Liga spielt, so what. Die beiden haben sich so weit voneinander entfernt, dass es nicht mehr der Rede wert ist.

Und der andere HSV? Der aus Hamburg? Der große HSV? An dem muss sich der kleine HSV aus Hannover nicht mehr orientieren. An dem haben sich Klubs wie Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart, ja auch Schalke 04 zu orientieren. Denn was dort geschieht, ist vorbildlich, ist gut. Wir haben ja in der Vergangenheit eher belustigt wahrgenommen, dass sich der Trainer Slomka und der Sportdirektor Schmadtke angeblich nicht so gut verstanden. Ob es so war, sei dahingestellt, gut gearbeitet haben sie trotzdem. Slomka, der nicht zu den Lauten im Land zählt, der keiner aus der Liga der Klopps und Tuchels ist. Und Schmadtke, der nun weg ist. Und ist das ein Problem in Hannover? Mitnichten. Sie machen einfach weiter, in aller Ruhe, wissend, wer sie sind, wissend, was sie können, wissend, dass sie die Champions League wohl eher nicht gewinnen können. Und wissend, dass sie Platz drei, auf dem sie vor diesem Spieltag standen, nicht werden halten können auf lange Sicht. Oder vielleicht doch?

Wenn die, die auf diese Position im deutschen Fußball eher prädestiniert sind, mal wieder durchdrehen, und dafür ist Schalke, ist Stuttgart, ist Wolfsburg allemal gut genug, wenn die also mal wieder durchdrehen, dann klauben sich die Hannoveraner die Krümel auf und stehen am Ende doch in der Europa League. Es ist das alte Lied. Hört man etwas aus dem Umfeld, hört man den Präsidenten Kind, der das Geld gibt, motzen, maulen, großspurig daherreden? Hört man nicht. Und deswegen ist Hannover 96 zu einem nachhaltigen Faktor der Liga geworden.

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Inzwischen sind die Hannoveraner auch schon in der Lage, Spieler gewinnbringend zu verkaufen und den Gewinn sportlich gewinnbringend einzusetzen. Nichts, was in Hannover passiert, wirkt sinnfrei, wirkt zufällig und glücklich. Alles hat Hand und Fuß und ist folgerichtig. Erst wenn sie glauben, sich am letzten Gegner, dem FC Bayern messen zu müssen, werden sie Probleme bekommen. Auf dem Platz haben sie lange gut dagegengehalten. So gut, dass es für die Position drei im deutschen Fußball reicht. Und das ist für den Standort Hannover, der ansonsten – Kanzlerschaft, Präsidentschaft, Grand-Prixschaft – so gerne hyperventiliert, schon eine ganze Menge.
Der Autor ist Sky-Chefkommentator.

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