Marcel Reifs Kolumne : Romantik gegen die Mehrklassengesellschaft

Bayern München wird Erster, Dortmund Zweiter und der Rest scheint für unseren Kolumnisten Marcel Reif auch schon klar zu sein. Oder rollt der Ball doch wieder ganz anders?

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Oben lachen: Die Bayern Hoeneß, Rummenigge und Seehofer. Foto: dpa
Oben lachen: Die Bayern Hoeneß, Rummenigge und Seehofer.Foto: dpa

25 Punkte auf Platz zwei, ach was, sagen wir es doch direkt, 25 Punkte auf Borussia Dortmund darf es nicht mehr geben, wird es nicht mehr geben, da wird die Borussia alles dransetzen. Womit ich schon mal sage, wen ich in dieser vorhersehbaren Saison auf Platz eins sehe und wen auf Platz zwei. Weil wir nämlich eine Mehrklassengesellschaft haben und weil die Zeiten, in denen jeder jeden mal schlagen kann, vorbei sind.

In dieser Mehrklassengesellschaft werden gleich mehrere Meisterschaften ausgespielt. Die Bayern spielen eine mit sich aus, in der lediglich die Frage noch offen ist, wie lange die Spieler brauchen, um alles zu lernen, was ihnen Trainer Pep Guardiola beibringen will. Die nächste Meisterschaft spielt die Borussia aus Dortmund aus, und das ist die erwähnte, es nicht zu so einem frivolen Abstand kommen zu lassen, wie in der vergangenen Saison. Um Platz drei spielen Schalke und Leverkusen ihren Cup.

Und um Platz vier, der enorm wichtig ist, weil es da nicht nur um Ruhm und Ehre geht, sondern um die Qualifikationsrunde für die Champions League und damit um 20 Millionen Euro Antrittsgage, um Platz vier also streiten solche Klubs wie Mönchengladbach, wie Freitag zu sehen war, streiten die Wolfsburger, Stuttgarter und, ja, warum nicht, die Eintracht aus Frankfurt oder Hannover 96. Mainz vielleicht. Und der HSV gehört eigentlich auch in diese Reihe, aber ich traue es ihm nicht zu.

Von Freiburg ist eher kein zweites Wunder zu erwarten und das Nürnberger Trachten wird dahin gehen, nicht in Gefahr zu geraten. In der sehe ich Hoffenheim und Bremen, deren freier Fall wohl noch nicht gestoppt ist. Erster Anwärter auf den Abstieg ist Eintracht Braunschweig, ein echter Aufsteiger, dessen ureigene Meisterschaft darum geht, nicht so schlecht abzuschließen wie Greuther Fürth in der Vorsaison.

Marcel Reif Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Bleibt der FC Augsburg, der sich nach einem euphorischen Jahr ein Jahr geleistet hat mit Hängen und Würgen, der aber nun stabilisiert zu sein scheint. Und bleibt natürlich Hertha BSC und mein Unverständnis, dass ein Sponsor das Thema Abstieg mit dem plakatierten „Nie mehr Zweite Liga“ überhaupt thematisiert. Ich bin sicher, dass Hertha damit nichts zu tun haben wird, weil Hertha in allen Bereichen kein Aufsteiger ist, sondern lediglich ein Rückkehrer, der sich dummerweise mal verirrt hat.

So weit die sehr vorhersehbare Saison. Langweilig? Ja, vielleicht. Aber wir haben doch noch die Romantik, die wunderbare, wundervolle, wundertolle Fußballromantik. Und die weiß, dass der Ball mitunter ganz anders rollt, als die Vorhersehung zu wissen glaubt.

Marcel Reif ist Chefkommentator bei Sky.

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