Marcel Reifs Kolumne : Wer ist die dritte Kraft?

Unser Kolumnist Marcel Reif beschäftigt sich mit der Frage, welcher Verein langfristig die dritte Kraft in der Bundesliga wird. Die ersten beiden Plätze sind für ihn bereits langfristig an Bayern und Dortmund vergeben.

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Die Frage, wer denn die zweite Kraft im deutschen Fußball ist, künftig sein wird, die wird heute nicht entschieden. Nicht mal, wenn es Hannover 96 gelingen sollte, die Borussia aus Dortmund kräftig zu ärgern. Die Frage ist entschieden. Wie auch die nach dem Maß aller Dinge, oder gibt es Zweifel, dass sich am FC Bayern immer noch alle orientieren müssen? Akademisch, müßig ist es hingegegen zu fragen, ob Borussia Dortmund irgendwann in der Lage ist, diese Dominanz der Münchner zu brechen. Die Dinge haben sich entscheidend verändert. Beim Blick zurück ist festzuhalten, dass die Bayern ihre Erfolge hatten, damals im Europapokal der siebziger Jahre, dass sie auf diese Erfolge aufbauten und die Basis legten für ihren heutigen Status. Und zwar mit geringen Mitteln. Die Verdienstmöglichkeiten von damals sind absolut nicht zu vergleichen mit dem Ertrag, den die Teilnahme in der Champions League heute abwirft.

Die zu schaffen ist das Ziel. Wer Deutscher Meister wird, mag für uns Fußball- Romantiker relevant sein, für die Langfristigkeit des Erfolges zählt allein das Geld aus der Champions League. Und das haben die Borussen sehr vorbildlich angelegt. Platz zwei also in der Tabelle für Nachhaltigkeit und Bedeutung. Ob der heutige Gegner schon Platz drei belegt? Nein, bei aller Brillanz, mit denen die Herren Kind, Slomka, Schmadtke in der jüngeren Vergangenheit wirkten. Sie können den Mönchengladbachern der Vorsaison vielleicht den Rang ablaufen, auch weil Gladbach im Vorjahr wie Phoenix aus der Asche stieg und Hannover sich kontinuierlich weiterentwickelte. Aber Hannover peilt die Europa League an, das ist ein schöner Erfolg – für uns Romantiker, für mehr nicht. Erst wenn sie die Champions League als ernsthaftes Ziel anstreben, erst dann können sie sich abheben vom Rest der Liga und vielleicht schon mal zur Probe sitzen im Salonwagen.

In dem sitzen natürlich die Bayern, sitzen inzwischen auch die Borussen aus Dortmund – und sitzt wohl auch Schalke. Auch dort wird mit einiger Berechtigung nach den Fleischtöpfen der Champions League geschielt, auch dort wurden die 20 Millionen, die es fürs Erreichen gibt, sinnvoll verarbeitet, auch dort scheint man, bei aller Folklore, begriffen zu haben, wie man mit dem Erfolg umgehen muss. Nämlich langsam und ohne Euphorie. Die darf den Romantikern bleiben.

Die Frage also, wer denn den Bayern kurz-, mittel- und langfristig Konkurrenz machen kann, die beantwortet sich nach dem Spiel unter der Woche in der Champions League und den völlig überflüssig öffentlich herausposaunten Misstönen zwischen Jupp Heynckes und Matthias Sammer, die Frage lässt sich eindeutig beantworten: der FC Bayern München selber.

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