Sport : Marko Rehmer

Wie der frühere Herthaner seine Rückkehr erlebte

Mathias Klappenbach

Als der Stadionsprecher bei den Mannschaftsaufstellungen den Namen von Marko Rehmer verliest, zeigen die Fans beider Mannschaften keine außergewöhnliche Reaktion. Die Berliner reagieren weder mit Pfiffen für den Rehmer, der ein Jahr lang nicht mehr zum Einsatz kam und Hertha BSC vor dieser Saison verlassen hat, noch mit Beifall für den Rehmer, der hier sechs Jahre lang unter Vertrag stand. Und die Anhänger von Eintracht Frankfurt rufen seinen Nachnamen genauso laut wie den seiner neuen Mannschaftskollegen.

107 Bundesligaspiele hat der 33-jährige Berliner für Hertha gemacht. Nun soll er den Frankfurtern mit seiner Erfahrung dabei helfen, den Abstieg zu verhindern. Als Innenverteidiger, seine Gegenspieler heißen heute Artur Wichniarek und zumeist Nando Rafael.

Rehmer spielt unauffällig, er verrichtet seine Arbeit. Der frühere Nationalspieler stellt die Hertha-Stürmer im richtigen Moment ins Abseits, damit sie nicht angespielt werden können. Und wenn doch mal ein Zuspiel durch die dicht gestaffelte Defensive kommt, ist er fast immer eher am Ball als sein Gegenspieler. Allerdings weiß Rehmer wenig mit dem Ball anzufangen, wenn er ihn gewonnen hat. Entweder passt er zurück zum Torwart oder er spielt den Ball so ungenau nach vorne, dass er direkt beim Gegner landet.

Nach einer Viertelstunde ist Rehmer, der sonst eher positionstreu im Raum verteidigt und die Hertha-Stürmer übergibt und übernimmt, einmal weit aus der Abwehr herausgerückt. Er grätscht Nando Rafael an der Mittellinie in die Beine, um einen schnellen Gegenangriff von Hertha zu unterbinden. Sonst geht Rehmer nur bei Standardsituationen der Frankfurter mit nach vorne, vielleicht gelingt ihm mit seiner Kopfballstärke ja ein Treffer. Doch Rehmer kommt bei keinem torgefährlichen Angriff an den Ball.

Hinten gehört er in der 53. Minute zu den Frankfurter Spielern, die ihrem Torwart Markus Pröll beim Führungstreffer von Oliver Schröder durchs Bild laufen und so die Sicht nehmen. Zwei Minuten später gibt es Pfiffe nach einem Zweikampf Rehmers mit Gilberto. Aber die Berliner Fans monieren nur, dass der Schiedsrichter keinen Freistoß gibt. Zu Rehmer verhalten sie sich weiter indifferent.

Beim Eigentor von Arie van Lent steigt Rehmer nicht mit hoch, weil er im Gegensatz zu van Lent sieht, dass Torwart Pröll an den Ball kommen würde. Nach dem zweiten Gegentreffer ist in seinem Gesicht zu lesen, dass er die Niederlage akzeptiert.

Als das Spiel zu Ende ist, bleibt Rehmer dann fast drei Minuten alleine in der Hälfte seines neuen Vereins stehen. Zu den Hertha-Fans winkt er nicht. Schließlich schlurft er zu seinen früheren Mannschaftskollegen, Arne Friedrich nimmt ihn als Erster in den Arm. Auch Falko Götz klatscht ihn ab. Dann läuft Rehmer zu den Frankfurter Fans, um sich für ihre Unterstützung zu bedanken. Die Eintracht ist noch nie so schlecht in die Saison gestartet, wenn sie in der Bundesliga war.

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