Sport : Medaillen nur für Gäste

Südkorea hat die WM dank der Sponsoren geholt – sportliche Siege sind dagegen kaum zu erwarten

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Putzkolonne. Südkoreas Organisatoren tun alles für saubere Spiele – zumindest auf der Laufbahn. Foto: Reuters
Putzkolonne. Südkoreas Organisatoren tun alles für saubere Spiele – zumindest auf der Laufbahn. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Zweimal sind die Gastgeber in der Geschichte der Leichtathletik-Weltmeisterschaften, die 1983 in Helsinki begann, bisher ohne Medaille geblieben. Vieles spricht dafür, dass Südkorea in acht Tagen nach Schweden (Göteborg, 1995) und Kanada (Edmonton, 2001) der dritte ist. Die koreanische Leichtathletik spielt auf globaler Ebene nur eine untergeordnete Rolle. Vor zwei Jahren, bei den Titelkämpfen in Berlin, erzielten 62 Nationen Platzierungen zwischen den Rängen eins und acht. Südkorea war nicht dabei.

Warum die Titelkämpfe also in Südkorea und noch dazu im wenig touristisch erschlossenen und unattraktiven, fast trostlos wirkenden Daegu stattfinden (die Stadt liegt einige hundert Kilometer süd-südöstlich von Seoul)? Man wolle die Leichtathletik in Korea fördern, erklärte der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Lamine Diack. Wichtiger wird für die IAAF bei der Vergabe-Entscheidung allerdings gewesen sein, ihre Sponsoren zufrieden zu stellen. Das Gros der großen Geldgeber des Verbandes kommt längst aus Asien und darunter sind die beiden koreanischen Unternehmen Samsung, das in Daegu gegründet wurde und Posco – ein Technik- und ein Stahlkonzern.

Dass die Stimmung bei einer Weltmeisterschaft auch ohne Medaillen für den Gastgeber gut sein kann – oder wie im Fall von Göteborg sogar sehr gut –, haben die Titelkämpfe von 1995 und 2001 gezeigt. Im Stadion zumindest spricht einiges dafür, dass dem auch in Daegu so ist. Denn nach Angaben der Organisatoren sind die Tickets zu 95 Prozent bereits vergriffen. Für den Auftaktabend gibt es keine der rund 60 000 Karten mehr. Und das, obwohl heute – abgesehen vom Frauen-Marathon, der auf einem Rundkurs in der Stadt stattfindet – lediglich eine Entscheidung auf dem Programm steht: die 10 000 m der Frauen. Dass eine WM-Stimmung in die Stadt überschwappen könnte, damit ist aber kaum zu rechnen, schließlich liegt die Arena weit außerhalb des Zentrums zwischen Bergen.

Südkorea hat übrigens im Gegensatz zu den Kanadiern und Schweden, die 1995 viel Pech hatten, bei den bisherigen zwölf Weltmeisterschaften noch nie eine Medaille gewonnen. Als beste Platzierung steht ein vierter Platz in der WM-Chronik. Diesen erreichte 1993 in Stuttgart der Marathonläufer Jae-Ryong Kim. Das ist kein Zufall. Denn das Rennen über die klassischen 42,195 km hat in Korea, wie auch in Japan, traditionell einen hohen Stellenwert. Verschiedene international hochkarätige City-Marathonläufe finden in Südkorea statt. Unvergessen ist der Olympiasieger von Berlin 1936: Son Kee-chung lief damals allerdings im fremden Trikot, da das Land von den Japanern besetzt war. Olympia-Zweiter im Marathon war 1996 zudem der Südkoreaner Bong-ju Lee, der 2001 auch den prestigeträchtigen Boston-Marathon gewann.

So ist es kein Wunder, dass der einzige koreanische Athlet auf den Werbebannern ein Marathonläufer ist: Jeong Jin-hung hat neben dem 20-km-Geher Kim Hyun-sub und dem Speerwerfer Sangjin Jung die wohl besten Platzierungschancen. Auch die koreanischen Medien berichten vor der WM ausführlich. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder Usain Bolt.

In Nordkorea wird diese WM dagegen medial wohl kaum stattfinden. Das Land hat keine Athleten für die Wettkämpfe gemeldet. Dabei haben die Nordkoreaner ihren Nachbarn sogar etwas voraus: Denn 1999 wurde Yong Song-ok überraschend Marathon-Weltmeisterin in Sevilla.

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