Sport : Mein Feind, der Fan

In Hoffenheim haben sie ein neues Problem: Es wenden sich immer mehr eigene Anhänger ab.

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Das geht ja gar nicht. Hoffenheims Torwart Tom Starke kritisierte nach dem Spiel gegen Hertha die eigenen Fans. Foto: dapd Foto: dapd
Das geht ja gar nicht. Hoffenheims Torwart Tom Starke kritisierte nach dem Spiel gegen Hertha die eigenen Fans. Foto: dapdFoto: dapd

Bei der TSG Hoffenheim kennt man sich aus mit Imageproblemen, steht aber vor dem Pokal-Achtelfinale heute (20.30 Uhr) gegen den FC Augsburg vor einem ungewohnten Problem. Bisher musste der Verein aus dem Kraichgau vor allem außerhalb seines Stammlandes um Akzeptanz ringen. Dass zum ersten Mal im Kernland des Fußball-Bundesligaklubs die Fans reserviert bleiben, das haben sie hier noch nicht erlebt.

Nach dem schmucklosen 1:1 gegen Hertha BSC und dem dritten Heimspiel in Folge, in dem die Mannschaft einen späten Ausgleich hatte verkraften müssen, gab es üble Kommentare gegen die eigenen Zuschauer. Torwart Tom Starke und Präsident Peter Hofmann traten mit teilweise drastischen Vorwürfen als Wortführer auf. Zuvor hatten die Anhänger allerdings schon mit den Füßen abgestimmt. Zum ersten Mal waren nur rund 25 000 Besucher und damit etwa 5000 weniger als sonst gekommen. Und gegen Hertha pfiffen die enttäuschten Zuschauer noch früher als sonst.

Lange kümmerte man sich bei Hoffenheim vor allem darum, im Rest der Republik anerkannt zu werden, was schwer genug fiel und von allerlei Rückschlägen begleitet wurde. Etwa nach der Schallattacken-Affäre, dem kritisch betrachteten Engagement von Mäzen Dietmar Hopp und dem daraus resultierenden Image, zur Not Geld ausgeben zu können wie Dagobert Duck. Die PR-Strategen aus dem Kraichgau wollten ihren Klub sympathischer machen, wozu auch die Verpflichtung des Hamburger Motivators Holger Stanislawski als Trainer gehörte.

Doch von Charme-Offensive war nach dem Hertha-Spiel nicht mehr viel zu spüren. Torhüter Starke beschimpfte viele Fans drastisch. „Die Zuschauer haben kein Recht, uns zu kritisieren“, sagte er, nachdem er noch auf dem Platz eindeutige Gesten gemacht hatte. „Ich habe für die Pfiffe kein Verständnis. Ich nehme die echten Fans der TSG von der Kritik aus. Das sind aber nur die 1000 hinter mir im Fanblock. Die anderen 20 000 sind neutrale Zuschauer, keine Fans. Bei denen muss man 5:0 gewinnen, erst dann stehen sie auf und klatschen.“ Starke machte die Pfiffe gegen „junge Spieler“ für die miserablen Leistungen der Hoffenheimer verantwortlich. Klubchef Hofmann sprach derweil von „Respektlosigkeit“ der Zuschauer gegenüber der Mannschaft. Dass Fans der eigenen Mannschaft den Rücken zukehrten sei nicht verständlich.

Die Spieler haben derzeit größte Schwierigkeiten, den Erwartungen des Umfeldes, den eigenen Ansprüchen und den Vorgaben ihres Trainers Holger Stanislawski gerecht zu werden. Die Situation fühle sich „beschissen an“, sagte Kapitän Andreas Beck. So sieht das auch der Schatzmeister des Vereins. Im Vorverkauf für das Spiel Augsburg wurden bisher nur 9000 Karten abgesetzt.

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