Sport : Michael Ballack - der Hoffnungsträger bei Bayer Leverkusen

Hans Schwarz

Manager Reiner Calmund fühlt sich bei seinem Anblick an den jungen Franz Beckenbauer erinnert, für Trainer Christoph Daum ist der 23-Jährige ein "unheimlich vielseitig verwendbarer Spieler". Nach dem 1:0 (0:0)-Erfolg von Bayer Leverkusen im Hinspiel der dritten Uefa-Cup-Runde bei Udinese Calcio stand Torschütze Michael Ballack im Blickpunkt. Der zu Saisonbeginn nach einem langen Ablösestreit vom 1. FC Kaiserslautern geholte Mittelfeldspieler war in seinem ersten Einsatz von Beginn an nach zehnwöchiger Verletzungspause nicht nur wegen seines Treffers in der 75. Minute zum "Matchwinner" geworden. Ballack, der gleich zu Saisonauftakt im August einen Innenbandriss im Knie erlitten hatte, wurde dank einer starken Leistung zur personifizierten Hoffnung der Leverkusener, dass die Krise endlich ein Ende gefunden hat.

Denn der Erfolg beim Tabellen-Siebten der italienischen Liga war der erste Sieg seit sieben Spielen, die Bayer 04 seit dem 4:1 am 16. Oktober absolviert hatte. In der Bundesliga stürzte das Team vom ersten auf den vierten Tabellenplatz, in der Champions League und im DFB-Pokal scheiterte der deutsche Vizemeister vorzeitig.

Ballack, der am vorigen Sonnabend beim 1:1 gegen Rostock zu einem 24-Minuten-Einsatz auf der linken Mittelfeldseite kam, wurde von Daum in Udine auf rechts aufgeboten mit der Zusatz-Aufgabe, auch im Sturm aufzutauchen. "Wenn er nach dem ersten Tor auch noch das 2:0 bei der nächsten großen Chance gemacht hätte, wäre das die Krönung seiner Leistung gewesen", meinte Daum.

Der für fünf Millionen Mark verpflichtete Ballack hatte im August beim Confederations Cup sein Debüt in der deutschen Nationalelf gegeben. "Wenn ich wieder fit bin, werde ich darum kämpfen, noch zur Europameisterschaft 2000 zu kommen", hatte der 23-Jährige vor seinem Comeback angekündigt. Dass er in Udine wieder von Beginn an dabei war, während die Nationalspieler Neuville (verletzt), Schneider und Beinlich zuschauen mussten, belastete ihn überhaupt nicht. "Ich bin ganz befreit ins Spiel gegangen", sagte Ballack. Und: "Ich habe großes Selbstvertrauen."

Bayer-Manager Calmund fühlt sich an Deutschlands größten Fußballer erinnert, wenn er Ballack sieht. "Er kommt manchmal daher wie ein Franz Beckenbauer. Er hat zwar noch lange nicht die Erfolge, aber einige Anlagen, die auch der Franz hatte - nicht nur, weil er aussieht wie ein männliches Fotomodell."

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