Sport : Minimalisten auf dem Weg zum Maximum

Hannover 96 will in die Champions League

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Foto: dapd
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Es war schon beängstigend, wie schnell die Freude über den nächsten Sieg der Vorfreude auf den FC Bayern wich. „Unser nächstes Heimspiel ist im Grunde ein Duell um die Champions League“, sagte Mirko Slomka. Um den Höhenflug von Hannover 96 nicht zu gefährden, hatte der Trainer der Niedersachsen über Wochen und Monate tiefgestapelt. Als seine Mannschaft am Samstag durch einen Kopfballtreffer von Christian Schulz mit 1:0 (0:0) beim FC St. Pauli gewonnen hatte, konnte er die neuen Ziele nicht mehr verbergen. Wenn Hannover 96 am kommenden Samstag den FC Bayern empfängt, wird aus diesem früher als Langweiler eingestuften Spiel ein direkter Wettstreit um einen Champions-League-Platz. „Wir sind schwer zu schlagen im eigenen Stadion“, sagte Slomka, der das Millerntor mit ungewohnt forschen Tönen verließ.

Die Partie beim FC St. Pauli, auf einem holprigen Rasen fast frei von jedem spielerischen Niveau, ging wahrlich nicht als Bewerbungsschreiben für die höchste Spielklasse des europäischen Fußballs durch. Aber es ist und bleibt nun einmal eine Saison, in der den Profis von Hannover fast alles gelingt. Sekunden vor dem Abpfiff beförderte Sergio Pinto einen Eckball auf den ungedeckten Schulz. Und die Szene, die Hannover am 24. Spieltag schon den 14. Saisonsieg ermöglichte, diente als Beleg für die unglaubliche Effektivität dieser Mannschaft. Mit gerade einmal 34 geschossenen Toren bietet Hannover den Großen der Liga Paroli. Wer eine solch rumpelige Partie wie jene am Millerntor gewinnt, der klopft dann wohl tatsächlich noch an die Tür zur Champions League. „Uns bietet sich eine historische Chance. Aber das wird nur mit viel Kampf und Glück klappen“, sagte Torschütze Schulz mit Blick auf das Bayern-Spiel.

Die Mannschaft darf vor allem deshalb mit einem Champions-League-Platz liebäugeln, weil das Team als Meister des Minimalistischen besticht. Auch ohne Torjäger Didier Ya Konan mogelte sich die Slomka-Elf zu einem weiteren Sieg.

Das Erfolgsmodell von Hannover 96, auf eine Mischung aus unbekannten und nicht mehr erwünschten Profis zu setzen, bringt viele etablierte Klubs in Verlegenheit. Im Gegensatz zu den Nordrivalen Bremen und Wolfsburg, deren finanzielle Möglichkeiten deutlich besser sind, hat man es an der Leine geschafft, aus den bescheidenen Möglichkeiten das Optimale herauszuholen. Den in Hannover so ausgeprägten Teamgeist kann man nicht kaufen – man muss ihn sich erarbeiten. Slomka hat sein Team im Sommer durch unerfahrene Profis wie Lars Stindl und Moritz Stoppelkamp sowie den von der Konkurrenz übersehenen Emanuel Pogatetz verstärkt – und diese tüchtig gescheucht, bis sie fit genug waren. Sie bearbeiten und beharken ihren Gegner nun so lange, bis er einen Fehler macht – das war bei St. Pauli in der 89. Minute der Fall.

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