Mirko Lüdemann über die DEL : Heute ist alles besser

Mirko Lüdemann hat als einziger deutscher Eishockeyprofi alle Jahre der Deutschen Eishockeyliga (DEL) miterlebt – eine Betrachtung des Verteidigers der Kölner Haie auf die Entwicklung der DEL.

Mirko Lüdemann
Immer noch am Puck. Mirko Lüdemann führt das Spielgerät.
Immer noch am Puck. Mirko Lüdemann, 39 Jahre.Foto: picture alliance / Gladys Chai v

Als die DEL 1994 begann, spielte ich im zweiten Jahr für die Kölner Haie. Ich war damals 20 Jahre alt, wurde im Dezember 21. Ich erinnere mich noch gut an den Anfang. Es waren plötzlich mehr Mannschaften da. In der Bundesliga spielten vorher glaube ich zwölf, in der DEL waren es auf einmal 18 Teams. Und sie hatten völlig andere Namen, vor allem Tiernamen: Pinguine, Tiger, aber auch Wild Wings. Es war komisch.

Die Haie hießen immer schon Haie, und wir hatten das Glück, dass wir in der ersten DEL-Saison eine sehr gute Mannschaft hatten. Das konnten wir zuerst nur nicht zeigen unter dem damaligen Trainer Wladimir Wassiljew. Deshalb gab es einen Wechsel. Wassiljew wurde im Januar entlassen, und wir bekamen Bob Murdoch. Mit dem sind wir zu neuen Höhen aufgestiegen und am Ende Meister geworden, es war meine erste Meisterschaft.

Ende 1995 gab es dann das Bosman-Urteil, das die DEL richtig durcheinandergewirbelt hat. Es kam eine Schwemme von ausländischen Spielern in die Liga. Darunter litt auch die Nationalmannschaft, die bald in die B-Gruppe abstieg. Irgendwann hat man gesagt, man begrenzt das Ganze wieder. Dann ging es mit den deutschen Spielern wieder bergauf – und auch mit der Nationalmannschaft.

Es hat aber vier, fünf Jahre gedauert, bis man begriff, dass man wieder auf den eigenen Nachwuchs setzen sollte anstatt nur Ausländer zu holen, die auch nicht besser waren als deutsche Spieler. Ich hatte damals zum Glück kein Problem, ich bin nicht aussortiert worden. Aber es gab schon einige deutsche Spieler, die diesem System zum Opfer gefallen sind. Der Nachwuchs hatte es sehr schwer, sich in einer ersten Mannschaft zu etablieren.

Peu à peu ging es danach langsam wieder bergauf. Und die Jahre vergingen, wie das so ist, wenn man einmal in der Tretmühle drin ist. Das Schöne war, dass wir mit den Haien damals meistens weit oben standen. Wir hatten immer die Chance auf den Titel, gewonnen haben wir ihn aber erst wieder 2002. Es waren schon ein paar Jahre, die wir warten mussten. Jetzt warten wir allerdings noch länger, aber das ist ein anderes Thema.

2002 bis 2006 war auch eine interessante Zeit, denn da war Hans Zach Trainer in Köln, mit dem ich sehr gut auskam. Ich erinnere mich noch gut an die verpasste Meisterschaft 2003 im Finale gegen Krefeld. Da waren wir nah dran, im letzten Spiel fehlten uns aber einige wichtige Leute. Es war ein sehr trauriges Erlebnis, wir waren nach einem 0:2-Rückstand noch auf 2:2 herangekommen und haben das entscheidende Spiel dann in der eigenen Halle verloren.

Inzwischen bin ich seit 20 Jahren in Köln, und ich habe auch schlimme Zeiten miterlebt, nämlich die Jahre 2008 und 2009, in denen die Haie zweimal haarscharf an der Insolvenz vorbeigegangen sind. Man muss dem damaligen Geschäftsführer Thomas Eichin ein großes Lob dafür aussprechen, dass er die Haie damals über Wasser gehalten und schließlich neue Partner und Sponsoren gefunden hat. Inzwischen ist alles wieder gut. Das letzte Jahr mit Uwe Krupp war sehr erfolgreich, wir sind bis ins Finale gegen Berlin gekommen. In dieser Saison haben wir fast dieselbe Mannschaft, wir hatten nur wenige Wechsel, und wir werden versuchen, noch eine Schippe draufzulegen.

Wenn ich zurückblicke, muss ich sagen: Die DEL hat sich stark verändert. Am Anfang war das Spiel durch die vielen Ausländer sehr kanadisch geprägt. Aufgrund der schlechten Verfassung einiger Profis war das Tempo lange nicht so hoch, wie es seit ein paar Jahren ist. Die Teams sind heute viel ausgeglichener, es gibt kaum Mannschaften, die stark abfallen. Es ist wirklich wahr: Der Letzte kann den Ersten schlagen, das haben wir vergangene Saison wieder bemerkt, als wir kurz vor Schluss in Düsseldorf verloren haben.

Wenn man nicht mit 100 Prozent in ein Spiel reingeht, dann wird es schwierig. Früher konnte man nach Schwenningen fahren und sagen: Okay, schauen wir mal, dass wir das Ding irgendwie über die Bühne bringen. Oder man fuhr nach Kassel und wusste, da brennt nichts an, es sei denn, man stellt sich wirklich sehr dumm an.

Heute haben alle DEL-Mannschaften gute und fitte Profis. Früher reichten zwei gute Reihen, um ein Spiel zu entscheiden, heute braucht man schon vier Reihen. Spieler mit Übergewicht, die sich erst mal bis Dezember fit spielen, was früher durchaus passierte, hätten heute keine Chance mehr. Man muss schon fit ins Trainingslager kommen, denn ansonsten übersteht man es nicht. Danach geht es in der Saison Schlag auf Schlag. Wenn man nicht fit ist, kann man sich da nicht erholen.

Ich werde im Dezember 40 Jahre alt und freue mich, dass ich immer noch gut mithalten kann. Mein Vertrag läuft bis zum Saisonende. Ich versuche, so lange wie möglich das Tempo mitzugehen. Wenn ich aber eines Tages denke: Oh, es wird langsam eng, dann bin ich der Erste, der das einsieht und Schluss macht. Zum Glück ist es noch nicht so weit.

Was ich nach meiner Karriere machen werde, weiß ich noch nicht. Ich lasse es auf mich zukommen. Ich kann nur sagen, dass ich nicht Trainer werden möchte, das ist nicht mein Ding.

Aufgezeichnet von Christiane Mitatselis

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