Sport : Mit der Sense in den Abstiegskampf

Frankfurts Maik Franz ist fast jedes Mittel recht

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Hart gegen den Mann. Für Maik Franz (hier im Duell mit dem Gladbacher Mohamadou Idrissou) ist die Grätsche ein wichtiges Stilmittel. Foto: p-a/Jan Hübner
Hart gegen den Mann. Für Maik Franz (hier im Duell mit dem Gladbacher Mohamadou Idrissou) ist die Grätsche ein wichtiges...Foto: picture-alliance / Jan Hübner

Der Himmel über Hessen ist schon seit Tagen wolkenlos. Der Frühling naht, was offensichtlich auch die Stimmung der Fußballprofis von Eintracht Frankfurt gehoben hat. Der Sonnenschein passte bestens zur Zuversicht, die die schlechteste Mannschaft der Rückrunde vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern verbreitet. „Die Stimmung im Team ist gut“, bestätigt Maik Franz, „es wäre ja das Schlimmste, wenn wir uns die Freude am Fußball nehmen lassen würden.“

Der Verteidiger weiß genau, worum es nach sechs sieg- und torlosen Spielen im neuen Jahr nun geht: „Wir müssen gewinnen. Es muss rappeln.“ Bei Franz, dem beinharten Verteidiger, ist diese Ansage für den unvermittelt in den Abstiegskampf verwickelten Gastgeber fast wörtlich zu nehmen – erst vergangenen Sonntag stieg er Stuttgarts Kapitän Matthieu Delpierre auf den Fuß, woraufhin ihn dieser umstieß und zum fünften Male in seiner Karriere die Rote Karte sah. Die Hinausstellung half der Eintracht aber nicht – im Gegenteil. „Es war etwas Besonderes in der Halbzeitpause“, berichtete Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia später, „jeder hat gesagt, wir müssen jetzt für Matthieu das Spiel umdrehen.“

Die Stuttgarter hatten Franz zum Buhmann erkoren, der schließlich schon zum fünften Male an einem Platzverweis eines Gegenspielers beteiligt war. „Man muss alles für den Erfolg tun“, sagt Franz, „ich verletze keinen Spieler absichtlich, und Wolfgang Stark, einer der besten Schiedsrichter Deutschlands, hat die Aktion bewertet.“ Die ihm übrigens die neunte Gelbe Karte der Saison einbrachte. Die Rolle des Provokateurs spielt der gebürtige Merseburger ebenso bewusst, wie er seinen Ruf als Raubein pflegt. „Ich stecke in dieser Schublade, und irgendwann habe ich mir gesagt: Warum sollst du das nicht für dich nutzen?“, so Franz. „Aber es ist nicht so, dass ich mir sage: Jetzt musst du mal wieder eine krasse Aktion bringen.“

Doch gibt es in jedem Spiel mehrere Szenen, in denen der Grenzgänger, der außerhalb des Platzes als verlässlicher, aufgeschlossener und angenehmer Zeitgenosse gilt, lamentiert oder diskutiert. Fußball wird bei ihm auch verbal gespielt. Sticheleien gehören dazu, wobei in der Vorsaison der damalige Mainzer Stürmer Aristide Bancé nach einem Scharmützel mit Franz vom Platz flog, ihm den ausgestreckten Mittelfinger zeigte und ihm später noch unterstellte, ihn rassistisch beleidigt zu haben. Als absurden Vorwurf „aus der untersten Schublade“ bezeichnete Franz damals den Vorwurf, das DFB-Sportgericht verurteilte ihn nicht. Doch in der Liga ist er gebrandmarkt – bei einer Umfrage kürten ihn die Kollegen einmal zum unbeliebtesten Gegenspieler. Unvergessen auch, wie ihn Mario Gomez vor laufender Kamera als „Arschloch“ titulierte oder sich sein heutiger Mitspieler Ioannis Amanatidis wenig angenehm über ihn ausließ.

Trotzdem gibt es auch die andere Seite des 29-Jährigen, der sich nicht nur auf seiner Homepage für den Verein Kinderträume einsetzt oder die onkologische Abteilung der Kinderklinik Karlsruhe unterstützt. Bemerkenswert ist auch, dass der Fußballer bereits seit sechs Jahren regelmäßig mit dem Mentaltrainer Holger Fischer zusammenarbeitet, den er aus seiner Zeit beim VfL Wolfsburg kennt. „Für die Persönlichkeitsentwicklung ist das ganz wichtig. Ich kann es nur jedem jungen Spieler wärmstens empfehlen“, sagt Franz. „Die Bundesliga ist längst eine große Show. Da muss man im Kopf gefestigt sein, sonst kann man wegbrechen.“ Die mentale Beratung helfe ihm auch, positiv zu bleiben. „Ich weiß immer, wo die Grenzen sind: Wenn ich eine Gelbe Karte gesehen habe, bin ich im Kopf mittlerweile so klar, dass ich ein Spiel unbeschadet zu Ende bringe.“

Tatsächlich hat Franz in seinen anderthalb Jahren in Frankfurt nur einmal Gelb-Rot gesehen – eine beachtliche Bilanz für einen, der als Rüpel der Liga gilt.

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