Motorsport : Nico Hülkenberg siegt für Porsche in Le Mans

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat nichts von seinem Ruf verloren. Über 250.000 Besucher verfolgen den Mythos mit Volksfest-Charakter.

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Nachtaktiv. Sieger Nico Hülkenberg fuhr bei seiner Premiere erstaunlich souverän.
Nachtaktiv. Sieger Nico Hülkenberg fuhr bei seiner Premiere erstaunlich souverän.Foto: AFP

Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen über 24 Stunden: Audi und Porsche kämpfen beim bedeutendsten Autorennen der Welt in Le Mans um den Gesamtsieg. Zwei Stunden nach dem Start am Sonnabend um 15 Uhr setzt sich Audi vor Porsche. Es folgen ständige Führungswechsel und Schrecksekunden, mal für Porsche, mal für Audi. Beide treten in der Königsklasse der Langstreckenweltmeisterschaft mit je drei Autos an. Drei Stunden vor Ende liegen zwei Porsche 919 Hybrid vor zwei Audi R 18 e-tron quattro.

Porsche-Chef Matthias Müller steht im Fahrerlager, eine Prognose wagt er aber nicht. „Letztes Jahr lagen wir bis zwei Stunden vor Rennende vorne. Genützt hat das nicht“, sagt der Bayer. Le Mans 2014 war für Porsche eine Riesenenttäuschung. Audi feierte einen Doppelsieg. 2015 dann die Revanche: Doppelsieg und Platz fünf für Porsche, Rang drei und vier für Audi.

Der Unterschied zwischen Tag- und Nachtfahrten? "Es ist einfach dunkel", sagt Hülkenberg

Am Sonntag gegen 15 Uhr steuert Nico Hülkenberg nach 395 Runden den Porsche mit der Nummer 19 über die Ziellinie. Der 27-Jährige ist zum ersten Mal auf dem 13,6 Kilometer langen Circuit de la Sarthe unterwegs. Normalerweise fährt er in der Formel 1 für Force India, aber bei Porsche hat er einen Vertrag für die Rennen in Spa und Le Mans unterschrieben. Neu sind für ihn vor allem die Nachtfahrten. Auf die Frage, was den Unterschied zwischen Tag- und Nachtfahrten ausmacht, antwortet er: „Well, it’s just dark.“

Niemand hatte erwartet, dass Hülkenberg bei seinem ersten Le-Mans-Einsatz nachts solch gute Rundenzeiten fahren würde. Er teilt sich das Auto mit den Porsche-Werksfahrern Earl Bamber und Nick Tandy. Für Hülkenberg ist das eine Umstellung zur One-Man-Show Formel 1. „Es ist ein Miteinander, echte Teamarbeit und eine ganz andere Atmosphäre.“ Genau wie in Le Mans selbst.

Zuschauer aus allen Teilen der Welt sind nach Le Mans gekommen

Das Städtchen im Nordwesten Frankreichs trägt bereits zum 83. Mal das legendäre Rennen aus, mit anhaltendem Erfolg: Trotz zeitweise starker Regenschauer kommen in diesem Jahr mehr als 250 000 Zuschauer aus der ganzen Welt. Japaner, Amerikaner, Brasilianer, Briten, Spanier, Deutsche. Ein Brite sitzt neben seinem Bugatti vor einem Einmann-Zelt und trinkt Bier mit seinen französischen Nachbarn. „Eine fantastische Atmosphäre hier, das gibt es nirgendwo sonst“, sagt er. Viele Fans sind nicht das erste Mal da. „Le Mans ist Mythos“, schwärmt ein Spanier.

Rund um die Uhr ist das Rennen ein Volksfest mit Riesenrad, Fressbuden, Fanartikel-Shops, Irish Pubs und natürlich einem Laden des Sponsors Rolex. Die Fans verteilen sich auf Tribünen, schieben sich in Massen durch das Gelände oder lassen sich mit besonderen Genehmigungen zu Aussichtspunkten wie den geschlängelten „Porsche-Kurven“ kutschieren. Rund um Ein- und Ausfahrten kommt es zu stundenlangen Wartezeiten.

Die Fahrer erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 340 km/h

Der Kurs in Le Mans ist für die Fahrer anspruchsvoll. Zwei Drittel der Strecke verläuft über abgesperrte Landstraßen. Auf der Hunaudières-Geraden erreichen die Fahrer eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 340 km/h, Geraden wechseln sich mit Haarnadelkurven ab. „Da musst Du schnell umschalten können von high speed auf 60 km/h“, sagt Timo Bernhard, Porsche-Fahrer und Gesamtsieger von 2010. Die Fahrer dürfen im Rennen nicht mehr als vier innerhalb von sechs Stunden fahren. Insgesamt darf ein Pilot nicht mehr als 14 der 24 Stunden am Steuer sitzen. Timo Bernhard fährt mit seinen Teamkollegen Brendon Hartley und Ex-Formel-1-Fahrer Mark Webber auf den zweiten Platz.

In der Langstrecken-WM (WEC) gehen Autos in vier verschiedenen Klassen an den Start. Nach den Prototypen fahren die seriennahen GT-Klassen. Porsche nimmt erst seit 2014 in der LMP1, der Königsklasse der WEC, teil. Die Zuffenhausener sind mit nun 17 Gesamtsiegen Rekordhalter in Le Mans. Nach dem Rennen am Sonntag fallen sich in der Box die Mechaniker, Ingenieure, Fahrer und Manager um den Hals. Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hat Tränen in den Augen. Nico Hülkenberg ist relativ entspannt und spricht von einem „problemlosen Rennen“. Audi wartet auf die Revanche.

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