MSV Duisburg : Das große Sammeln in Meiderich

Nach dem Lizenzentzug steht der MSV Duisburg vor einer schweren Zukunft – selbst Liga drei ist nicht sicher. Es werde noch „eine Herkulesarbeit“, so der Klub.

Bertram Job
Unfassbar. Präsident Udo Kirmse nimmt der Zwangsabstieg sichtlich mit.
Unfassbar. Präsident Udo Kirmse nimmt der Zwangsabstieg sichtlich mit.Foto: dpa

So viele Kameras, so viel Aufmerksamkeit: Die handelnden Personen des MSV Duisburg ließen sich auf der Pressekonferenz am Donnerstag kaum Wehmut anmerken. Dennoch wurde mancher Beobachter der Szenerie von diesem sentimentalen Gedanken eingeholt: Wer weiß, wann sich je wieder so viele dafür interessieren, was in Meiderich geschieht. Das ist jener Ortsteil im Nordwesten der Stadt, von dem aus der MSV zu einer festen Größe im deutschen Profifußball aufgestiegen ist. Bis ihm nun definitiv die Teilnahme am Spielbetrieb der Zweiten Liga verweigert wurde.

Am Mittwoch gaben sich Präsident Udo Kirmse und seine Mitstreitern noch halbwegs kämpferisch, als sie sich mit den drei Mitgliedern des ständigen DFB-Schiedsgerichts in einem Frankfurter Hotel trafen. Sie hatten ja neue, Hoffnung verheißende Prognosen dabei sowie Bernard „Ennatz“ Dietz, der einst jede Bedrohung für den Klub weggegrätscht hatte. Jetzt aber konnte auch der 65-jährige Altinternationale (53 Länderspiele) nichts mehr retten. Die Entscheidung des Lizenzierungsausschusses blieb auch nach dem fünfstündigen Gipfel bestehen, da die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht schlüssig nachgewiesen wurde. „Wir haben unser Ziel verpasst“, konstatierte Kirmse zerknirscht, live für die Abonnenten von „Sky“ ins Bild gesetzt. Und kündigte an, das Urteil nun, nach Wochen voller Protesten, Mahnwachen und Menschenketten, akzeptieren zu wollen. Darum könne es ab sofort nur noch darum gehen, nach vorne zu schauen. Es war vielleicht (noch) nicht der rechte Moment, neuen Optimismus einzufordern, aber versuchen wollte es der robuste Vereinsboss dennoch. „Die ganze Unterstützung, die wir auf der Ziellinie bekommen haben, müssen wir mit in die Dritte Liga nehmen!“

Seit der Nachricht von der Lizenzverweigerung durch die DFL Ende Mai hatten sich die MSV-Anhänger außergewöhnlich stark mit ihrem Verein solidarisiert. Über zwei Wochen hielten Fans am Stadion eine Mahnwache. Und 5500 Menschen demonstrierten bereits Anfang Juni in Duisburg gegen den Abstieg des Traditionsvereins, darunter auch Fans rivalisierender Vereine wie Essen, Dortmund und Mönchengladbach. Der Antrag für die Dritte Liga ist inzwischen fristgerecht eingereicht worden, wie Geschäftsführer Jörn Scheferling versicherte. Hier sieht auch Jürgen Marbach als neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats die Zukunft für „ein bezahlbares Team mit Perspektive“ (Kirmse). Aber auch auf dieser Ebene werde man nicht einfach durchgewunken, wie dem Präsidenten schwant: Es werde noch „eine Herkulesarbeit“, hier die Voraussetzungen zu erfüllen.

Der offizielle Vereins-Slogan vom „neuen MSV“ kann nicht völlig von den seltsamen Begleitumständen ablenken, unter denen sich das Schicksal des Vereins vollzog. Hinter den Kulissen wird noch immer gemunkelt, dass der Lizenzentzug durch ein eloquenteres Auftreten vor den Gremien der DFL abzuwenden gewesen wäre. Immerhin verabschiedet sich hier ein Gründungsmitglied der Bundesliga, das 28 Spielzeiten in der obersten Spielklasse absolviert hat und viermal im DFB-Pokalfinale stand – zuletzt vor zwei Jahren (0:5 gegen Schalke 04).

An der Fanbasis der Duisburger blieb es am Donnerstag auffallend ruhig – für den Fanbeauftragten Christian Ellmann Folge der Einsicht in das nun Unabwendbare. „Hier ist jetzt erst mal das große Sammeln angesagt“, so Ellmann, „dann müssen wir weitersehen. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass uns die Vereinsführung rechtzeitig über alle Entwicklungen auf dem Laufenden hält.“

Wer aus dem bereits im Training für die neue Saison befindlichen Kader den Gang in Liga drei antritt, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen erweisen. Ein größerer Einschnitt steht in jedem Fall an.

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