Sport : Münchner Winter oder Berliner Sommer?

Die Diskussion hat begonnen, mit welchem Kandidaten sich Deutschland um Olympia bewerben soll

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Pause oder Abschied von Olympia? Die jungen Mitglieder dieser Trachtengruppe am Königssee verarbeiten das Ergebnis aus Durban. Sie könnten in vier Jahren wieder dabei sein – wenn sich die Sportpolitik für eine erneute Bewerbung entscheidet. Foto: dpa
Pause oder Abschied von Olympia? Die jungen Mitglieder dieser Trachtengruppe am Königssee verarbeiten das Ergebnis aus Durban. Sie...Foto: dpa

Als die Niederlage gegen Pyeongchang amtlich war, feierten einige Münchner trotzdem. Was hätte man auch sonst auf den vielen Bierbänken in der Fußgängerzone zwischen Stachus und Marienplatz machen sollen? Während ein DJ für die Unerschütterlichen vor dem Rathaus Musik auflegte, prosteten sich die älteren Münchner zu und diskutierten vor allem eine Frage: Soll sich München für 2022 noch einmal um Olympische Winterspiele bewerben?

Ja, wenn es nach dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees geht. „München hat viele gute Ideen und Kreativität eingebracht und wurde diesmal nicht belohnt“, sagte Jacques Rogge, „ich hoffe, dass wir sie in Zukunft wieder sehen.“ Doch diese Entscheidung trifft nicht das Internationale Olympische Komitee und es muss eine Bewerbung auch nicht bezahlen (wiewohl es das locker könnte, wie 592 Millionen Dollar auf dem Festgeldkonto beweisen). Vielmehr muss sich die deutsche Sportpolitik entscheiden, ob sie erneut auf München und seine Erfahrungen mit der gescheiterten Bewerbung für 2018 setzt – oder soll man es gleich mit Sommerspielen versuchen? Und wenn sie sich für Sommerspiele entschiede, hätte sie mindestens die Wahl zwischen Berlin und Hamburg. Intern heißt es beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) jedoch: „Wenn Sommerspiele, dann nur mit Berlin.“ Dafür spreche die Wirkung Berlins im Ausland und die bereits vorhandene Infrastruktur.

Thomas Bach möchte sich so schnell nicht festlegen. „Wir lassen uns nicht unter Druck setzen“, sagt der Präsident DOSB, „Enttäuschung ist der falsche Ratgeber.“ Die erste Sitzung nach der unerwartet deutlichen Niederlage mit nur 25 von 95 Stimmen der IOC-Mitglieder ist für nächsten Mittwoch in Frankfurt am Main angesetzt. Dann dürfte auch die Diskussion um eine Bewerbung für Sommerspiele neu entbrennen. Die hätten in ganz Deutschland wohl einen größeren Rückhalt, während Winterspiele eher eine regionale Angelegenheit waren. Doch die persönlichen Ziele von Thomas Bach dürften einer solchen Bewerbung entgegenstehen.

Der höchste deutsche Sportfunktionär strebt im Jahr 2013 die Nachfolge des IOC-Präsidenten Jacques Rogge an. Vizepräsident des IOC ist er schon. Es würde seine Chancen erheblich mindern, wenn er in dieser Session auch noch mit einer deutschen Kandidatenstadt um die Stimmen der IOC-Mitglieder buhlen würde. Das dürfte auch ein Grund gewesen sein, warum sich Thomas Bach bei München 2018 so stark wie nie zuvor für eine deutsche Bewerbung ins Zeug gelegt hat. Die Niederlage von Durban dürfte seinen persönlichen Ambitionen nicht geschadet haben. „Meine Kollegen wissen zu unterscheiden zwischen Niederlagen von Bewerbern und Personen“, sagte Thomas Bach. Und auch das IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger sagt: „Die Niederlage wird seine Kandidatur in keiner Weise negativ beeinflussen.“

Für eine erneute Bewerbung spricht, dass die Münchner das Know-how aus der gescheiterten Bewerbung nutzen könnten. Auch könnte man Schwachpunkte verbessern, sich erst im Laufe der Bewerbung aufgetaucht sind. Und Pyeongchang hat gezeigt, dass sich Hartnäckigkeit bei der Bewerbung auszahlen kann. Wobei es auch genügend Städte gibt, die schon beim ersten Anlauf den Zuschlag bekommen haben.

Außerdem hat die Münchner Bewerbung 33 Millionen Euro gekostet, von denen bisher allenfalls 27 durch die private oder halbprivate Wirtschaft aufgebracht worden sind. Die Lücke wird wohl der Steuerzahler übernehmen müssen – entgegen den Versprechungen der Bewerber, keine staatlichen Mittel in Anspruch nehmen zu wollen. Andersherum hat es München immerhin geschafft, diese hohe Summe aus der Wirtschaft einzuwerben.

Eine Münchner Kandidatur könnte 2022 einen harten Gegner in der Nachbarschaft bekommen. Auch die Schweiz bewirbt sich um die Winterspiele. Sie verfügt im Wintersport über großen Einfluss, über mindestens genauso viel wie Deutschland.

Der Wechsel zwischen den Kontinenten ist zwar nicht festgeschrieben, er spielt jedoch bei der Entscheidung eine nicht unbedeutende Rolle. Erhält etwa Madrid nach zwei erfolglosen Versuchen die Sommerspiele 2020, hat Europa wohl frühestens 2028 wieder Aussichten auf das Ereignis im Sommer. Das würde für eine weitere Bewerbung im Winter sprechen, zumal hier nicht alle Kontinente mitmischen. mit dpa

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