Nach 0:3 gegen FC Liverpool : Hertha BSC sucht die Kreativität

Hertha hat noch Probleme in der Spielgestaltung - vor allem fehlt es an Torgefährlichkeit. Und gerade dabei helfen Sprinter alleine nicht weiter.

Schnell, aber harmlos. Mathew Leckie (l.) sucht noch nach seiner Form.
Schnell, aber harmlos. Mathew Leckie (l.) sucht noch nach seiner Form.Foto: Hanschke/Reuters

Von der Sponsorenwand hinter den beiden Trainern Jürgen Klopp und Pal Dardai prangte der Slogan: „Wir feiern Fußball seit 1892“. Tatsächlich begehen beide Klubs, der FC Liverpool und Hertha BSC ihren 125. Vereinsgeburtstag, wofür sich ja beide zu einem Jubiläumsspielchen am Samstagabend im Olympiastadion verabredet hatten. Nach dem Spiel, das Liverpool locker und leicht und völlig verdient mit 3:0 gewann, hätte man getrost den Slogan handschriftlich um die Bemerkung „... allerdings spielen wir unterschiedlich gut Fußball“ erweitern können.

„Wir müssen schon schlucken“, sagte Herthas Trainer Dardai hinterher, „die Qualität des Gegners war zu groß für uns.“ Schön, es war ein Test, aber ein sehr aussagekräftiger. Gerade in den fußballspezifischen Bereichen wurden Unterschiede sichtbar, wie im Spielverständnis und in der Spielgestaltung sowie in den fußballtechnischen Belangen, wie bei der Ballannahme und -verwertung. Dem Spiel der Berliner fehlte es an Kreativität. Diese ging den drei gegen Liverpool gestarteten zentralen Mittelfeldspielern Vladimir Darida, Per Skjelbred und Ondrej Duda weitgehend ab. Hier stellt sich die Frage, warum Valentin Stocker einen so schweren Stand bei den Berlinern hat? Angeblich ist das Passspiel des Schweizers zu riskant und dessen Sprintfähigkeit zu gering.

Warum hat Valentin Stocker bei Trainer Dardai so einen schweren Stand?

Stocker ist zwar nicht so flink auf den Beinen wie Alexander Esswein, Genki Haraguchi oder Neuzugang Mathew Leckie. Dafür aber versteht Stocker das Spiel. Er ist technisch beschlagen, hat einen guten Torabschluss und ist für Überraschendes gut. Doch Hertha glaubt die Lösung des zähen Offensivspiels ausschließlich in der Verpflichtung sprintstarker Spieler zu finden. Haraguchi hat in seinen drei Berliner Jahren lediglich vier Tore erzielt, Esswein in der zurückliegenden Saison zwei und Leckie ging in der Vorsaison für Ingolstadt ganz leer aus. Alle drei gehören zu den besten Sprintern der Liga, allerdings auch zu den torungefährlichsten. Und als Flankengötter haben sie auch noch nicht hervorgetan.

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Ein temporeiches Offensivspiel ist erfolgversprechend. Nur erfordert es keine reinen Sprinter, sondern begabte und daher handlungsschnelle Spieler, die Pässe fehlerfrei annehmen und ohne Geschwindigkeitsverlust weiterleiten oder anderweitig verarbeiten können.

Hertha geht jetzt ins Trainingslager, um am taktischen Spielstil zu feilen und um Automatismen auszuprägen. Bleibt zu hoffen, dass dabei nicht die Kreativität, das überraschende Moment, das Spielerische auf der Strecke bleiben. Fußball wird gespielt und nicht gerannt, das macht Fußball aus, deswegen feiern Millionen ihn.

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