Nach dem Ausfall von Julian Schieber : Hertha BSC: Stürmen ohne Stürmer

Der Ausfall von Julian Schieber trifft Hertha BSC im Abstiegskampf hart. Wie der Berliner Fußball-Bundesligst seinen Mittelstürmer am Freitag gegen den VfB Stuttgart ersetzen will.

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Ab durch die Mitte. Valentin Stocker kann laut Herthas Trainer Dardai nicht nur außen spielen, sondern auch zentral im Sturm. Das wird er wohl auch in Stuttgart.
Ab durch die Mitte. Valentin Stocker kann laut Herthas Trainer Dardai nicht nur außen spielen, sondern auch zentral im Sturm. Das...Foto: Imago

Die Preise sind deutlich angezogen. Innerhalb von zwei Wochen haben sie sich verdoppelt. Aus zehn Liegestützen als Strafe sind zwanzig geworden. Trainer oder Mannschaft?, das ist hier die Frage. Schaffen es die Angreifer, von den vier letzten Spielzügen einen einzigen mit einem Tor abzuschließen, muss Pal Dardai pumpen; schaffen sie es nicht, sind die Spieler dran. Vier Offensive gegen zwei Verteidiger plus einen Torhüter, das sollte eigentlich zu schaffen sein. Aber am Ende der Trainingseinheit ist es wieder der Trainer von Hertha BSC, der das Ganze von oben herab beobachten kann.

Der Abschluss ist ein großes Thema bei den Berlinern. Einmal hat Dardais Assistent Rainer Widmayer flehentlich in die Hände geklatscht und gerufen: „Tore machen, Jungs! Tore!“ Aber wer? Seit Montagabend wissen sie bei Hertha, dass sie in dieser Saison wohl nicht mehr mit Julian Schieber planen können. Der beste Torschütze des Berliner Fußball-Bundesligisten muss heute wegen eines Knorpelschadens am Knie operiert werden. Sein Ausfall trifft den Klub im Abstiegskampf hart. „Natürlich ist das ein großer Verlust“, sagt Dardai. „Julian ist ein schneller Spieler, er ist ein torgefährlicher Spieler. Wenn so ein Spieler ausfällt, ist das sehr schade.“

Dardai liebäugelte zuletzt mit einem 4-4-2-System

Dardai, der ewige Optimist, glaubt trotzdem, dass seine Mannschaft auch diesen Schlag wegstecken und den Ausfall kompensieren kann. Hat Hertha gegen Augsburg nicht auch gewonnen – ohne Schieber? Dazu hat Dardai schon verkündet, dass Valentin Stocker nach seiner Gelbsperre ins Team zurückkehren wird: „Er ist ein Angreifer, und ganz egal ob er zentral spielt oder über Außen kommt – er hat ein richtig gutes Niveau.“ In Wolfsburg war der Schweizer zu Beginn im Sturm aufgelaufen. Die Variante mit Stocker als hängender Spitze bietet sich auch am Freitag an, im Spiel beim Tabellenletzten VfB Stuttgart. „Wir haben immer noch Möglichkeiten“, sagt Dardai.

Im Training der Berliner nimmt die Offensive einen breiten Raum ein – weil dort der größte Verbesserungsbedarf besteht. Keiner der 18 Bundesligisten hat sich weniger Chancen erspielt als Hertha. Allerdings verfügen die Berliner im Spiel über eine Qualität, die im Training eher selten bei ihnen zu sehen ist: Sie nutzen ihre Möglichkeiten mit einer beeindruckenden Effizienz. Keiner der 18 Bundesligisten ist in dieser Kategorie besser. „Vielleicht kriegen wir am Freitag nur ein, zwei Chancen“, mahnt Co-Trainer Widmayer mit Blick auf das Spiel in Stuttgart. „Da müssen wir bereit sein.“

Wagner taugt gegen Stuttgart nur als Brecher

Pal Dardai hat zuletzt mit einem 4-4-2-System geliebäugelt, um Schieber und Salomon Kalou in der Startelf unterbringen zu können. Das ist nun hinfällig, da sich ein ähnlicher Spielertyp wie Schieber nicht mehr in Herthas Kader findet. Der letzte verbliebene Stürmer neben Kalou ist Sandro Wagner, der in zweieinhalb Jahren bei Hertha aber erst 13 Mal von Anfang an gespielt hat – in dieser Saison noch gar nicht. Das wird sich auch am Freitag nicht ändern. „Sandro trainiert gut, er bietet sich jeden Tag an“, sagt Dardai. „Aber für einen Spielertyp wie ihn ist es in Stuttgart schwierig.“ Wagner sei ein Stürmer, den man bringen könne, wenn man in der Tabelle oben stehe, zu Hause auf defensive Gegner treffe und im Strafraum einen Abnehmer für Flanken brauche.

In Stuttgart werden andere Qualitäten gefragt sein – es sei denn Hertha gerät in Rückstand. Als letztes Mittel, als Brecher im Strafraum, taugt Wagner immer noch. „Wenn er reinkommt, bringt er alles“, sagt Dardai. „Er hat ein großes Herz.“ Das sind genau die Spieler, die der Ungar gerade besonders schätzt.


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