Nach der Niederlage in Braunschweig : Warum der 1. FC Union den Aufstieg verpasste

Der 1. FC Union hat es nicht geschafft, in die Bundesliga aufzusteigen. Wir erklären das Scheitern des Zweitligisten.

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Schlusspunkt. Union verlor gegen Braunschweig.
Schlusspunkt. Union verlor gegen Braunschweig.Foto: dpa

In der Regel sehen die Dinge etwas versöhnlicher aus, sobald man eine Nacht darüber geschlafen hat. Im Fall des 1. FC Union konnte davon keine Rede sein. Auch einen Tag nach dem 1:3 in Braunschweig bleibt kaum Hoffnung, den erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga doch noch realisieren zu können. „Gefühlt kann man jeden als arme Sau betrachten“, sagt Stürmer Philipp Hosiner. Sechs Punkte Rückstand bei zwei noch ausstehenden Spielen lassen die Chancen auf ein Minimum sinken. Und das sind die Gründe, warum es für die Berliner am Ende wohl nicht reichen wird.

Die direkte Konkurrenz

Wer nur sieben von 21 möglichen Punkten gegen die Mitbewerber um den Aufstieg holt, ist am Ende zurecht Vierter. Zumal alle sieben Punkte aus der Hinrunde stammen. In diesem Kalenderjahr verlor Union alle Spiele gegen Hannover, Stuttgart und Braunschweig bei einem Torverhältnis von 2:8. „Das spielt natürlich eine Rolle, dass wir am Ende nicht mehr so richtig oben dran sind“, sagt Kapitän Felix Kroos. Mehr als eine gute Halbzeit in Hannover kam dabei nicht rum. „In der zweiten Halbzeit haben wir aufgehört Fußball zu spielen, da ging unsere Misere los“, sagt Hosiner. Gerade gegen Stuttgart war phasenweise ein Klassenunterschied sichtbar, die Begegnung wirkte wie die eines Bundesligisten gegen einen Zweitligisten. „Die drei, die vor uns stehen, haben es auch verdient, weil sie konstanter waren“, sagt Hosiner.

Die Leistungsträger

Wer kritische Phasen im Laufe einer Saison unbeschadet überstehen will, benötigt Führungsspieler, die in dieser Zeit vorangehen. Das war bei Union nicht der Fall. Toni Leistner, Felix Kroos, Stephan Fürstner, Damir Kreilach und auch Sebastian Polter fielen dann leistungsmäßig in ein Loch, als die Mannschaft sie am meisten brauchte. Leistner strahlte ab Anfang April nicht mehr die Dominanz vergangener Wochen aus, in Stuttgart besiegelte er mit einem groben Fehler die endgültige Niederlage. Vor dem 0:2 in Braunschweig sah er ganz schlecht aus.

Fürstner war im März verletzt und konnte anschließend sein altes Niveau nicht mehr rechtzeitig erreichen. Kreilach und Kroos waren in der Offensive nicht mehr in der Lage, das Spiel ihrer Mannschaft bis zum Ende durchzudrücken. „Bis zum Strafraum sah es gut aus, aber danach ist uns nicht mehr viel eingefallen“, sagt Kroos. Diese auf das Braunschweig-Spiel bezogene Aussage lässt sich allgemein auf das letzte Saisondrittel beziehen. Zu oft kam der finale Pass nicht an. Darunter litt Polter, der in den letzten sieben Spielen nur zwei Mal traf.

Die Platzverweise

Fünf Mal mussten Spieler des 1. FC Union in dieser Saison vorzeitig den Platz verlassen. Keine Mannschaft der Zweiten Liga kommt auf mehr Hinausstellungen. Konnte die Mannschaft gegen schwächere Gegner wie Würzburg oder Sandhausen ihren Vorsprung auch mit einem Mann weniger über die Zeit retten, bedeutete der Platzverweis gegen Roberto Puncec in Braunschweig praktisch das Ende aller Aufstiegshoffnungen. Zehn Berliner hatten gegen den robusten, auf Konter ausgerichteten Gegner keine Chance. Unsinnig, wie der bereits verwarnte Puncec seinen Gegenspieler an der Mittellinie umgrätschte. „Er muss da nicht so hingehen, das war keine Gefahrenzone“, sagt Kroos. Unions Trainer Jens Keller gab zu, dass es kaum möglich sei, so oft einen Platzverweis unbeschadet zu überstehen.

Die Nervenschwäche

Unions Mannschaft ist noch nicht für Alles-oder-nichts-Spiele gemacht. Wenn es darauf ankommt, versagen regelmäßig die Nerven. Gegen Braunschweig kamen phasenweise einfachste Zuspiele nicht an. Das hatte nichts mit den unbestrittenen Fähigkeiten der Spieler zu tun, sondern war ein Ausdruck ihrer Verunsicherung. Schon im Spiel gegen Nürnberg, als Union die Aussicht auf Tabellenplatz eins hatte, wirkte die Mannschaft plötzlich verkrampft. Die gesteigerte mediale Aufmerksamkeit und das Bewusstsein um die Möglichkeit, Historisches zu schaffen, lähmten die Beine, der Kopf begann zu arbeiten. Union konnte sich mental nie von der englischen Woche erholen, als die Mannschaft nur einen von neun möglichen Punkten holte. „Wenn wir die Spiele gewonnen hätten, wäre das Selbstvertrauen zurück gekommen“, sagt Hosiner. Im Anschluss gab es nur noch Zittersiege und eindeutige Niederlagen. Am Ende waren es zu viele, um schon ab kommenden Sommer Bundesligist zu sein.

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