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Nach Entscheidung für Spanien : CBF will Diego Costa Staatsbürgerschaft aberkennen lassen

Nach der Absage von Atlético-Madrid-Stürmer Diego Costa an die Seleçao will Brasiliens Fußballverband CBF dem 25-Jährigen die brasilianische Staatsbürgerschaft aberkennen lassen.

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Diego Costa in einem seiner zwei Länderspiele für Brasilien.
Diego Costa in einem seiner zwei Länderspiele für Brasilien.Foto: Imago

Der brasilianische Fußballverband CBF ist schwer beleidigt. Giftig kommentieren seine Vertreter die Entscheidung des Angreifers Diego Costa nicht mehr für Brasilien aufzulaufen, sondern sich in Zukunft das rote Trikot der spanischen Nationalmannschaft überzustreifen. Costa, der seit 2007 bei Atlético Madrid unter Vertrag steht, besitzt seit einigen Monaten neben dem brasilianischen auch einen spanischen Pass. Der Justiziar des CBF, Carlos Lopes, fordert nun sogar, dass die brasilianische Regierung Costa die Nationalität aberkenne. Er sei ganz klar von den Spaniern „verführt“ worden und habe sich nur aus „finanziellen Gründen“ für die Roten entschieden. Man habe bereits das Justizministerium in Brasilia eingeschaltet, sagte Lopes. Seine Tirade schloss er mit der Ankündigung ab, nun alles tun zu wollen, um einen Einsatz Costas für Spanien zu verhindern. Beim CBF geht man offenbar nach dem Motto vor: Was ich nicht haben kann, kriegt auch kein anderer.

Ähnlich aggressiv äußerte sich CBF-Präsident José Maria Marin. Costa habe bewiesen, dass er unwürdig sei, ein Teil der „Familie“ des brasilianischen Nationalcoachs Felipe Scolari zu werden. Er würde sie kontaminieren, so Marin. Dabei steht der greise CBF-Präsident nicht nur selbst unter ständigem Korruptionsverdacht, sondern geriet zuletzt auch wegen seiner schmutzigen Rolle während der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) unter Beschuss. Wie sein korrupter Vorgänger Ricardo Teixeira hält sich Marin jedoch erfolgreich an der Macht und tritt omnipotent auf. Umso kränkender muss die Absage Costas für ihn sein.

Den stets arrogant-brummeligen Nationalcoach Scolari scheint die Entscheidung Costas aus einem anderen Grund zu nerven. Er hatte Costa bereits für zwei Freundschaftsspiele im November berufen. Nun lässt er per CBF-Seite verbreiten: „Ein brasilianischer Spieler, der sich weigert das Hemd der Seleção zu tragen und eine WM im eigenen Land zu spielen kann nur ausgeschlossen werden.“ Tatsächlich hat Scolari ernsthafte Probleme, die Position im Angriff zu besetzen, weil die ursprünglich gesetzte Sturmspitze Fred von Fluminense nicht nur verletzt ist, sondern zuletzt auch schwach spielte.

Diego Costa, ein ähnlich wuchtiger Spieler wie Fred, ist hingegen in der Form seines Lebens. In zehn Spielen für Atlético Madrid hat er elf Tore erzielt. Das hat Begehrlichkeiten geweckt. Der 25-Jährige begründet seinen Entschluss für Spanien mit der Unterstützung und Zuneigung, die er dort in den letzten Jahren erfahren habe. Costa stammt aus dem kleinen nordöstlichen Bundesstaat Sergipe und ging mit 18 Jahren nach Europa. Zunächst spielte er in Portugal, dann in Spanien.

Darüber, was ihn tatsächlich zu seiner Entscheidung bewogen haben mag, kann man nur spekulieren. Fakt ist, dass die brasilianische Nationalmannschaft seit den beiden katastrophalen Weltmeisterschaften 2006 und 2010 stark an Prestige eingebüßt hat. Ihre Spielweise gilt als vergleichsweise hölzern und außer dem Werbestar Neymar hat sie keine Identifikationsfiguren. Zwar hat Trainer Scolari aus einem disparaten Haufen wieder eine Einheit geformt und mit dem Gewinn des Confed-Cups eine kurzzeitige Euphorie ausgelöst, doch die Spiele der Seleção sind trotzdem schon lange keine Straßenfeger mehr.

Hinzukommt der schlechte Zustand der brasilianischen Liga, der auf das Nationalteam abfärbt. Weil in Brasilien so gut wie keine Ausländer spielen und die besten Brasilianer stets nach Europa gehen, ist das technische Niveau äußerst dürftig. Wer glaubt, Brasilianer seien die besten Techniker der Welt, dem sei der Besuch eines hiesigen Erstligaspiels empfohlen. Da gelingt häufig nicht einmal die Ballannahme, hohe Bälle sind die Norm. Dem technischen entspricht das taktische Niveau der Trainer. Selbst simple Dinge wie Abseitsfallen sieht man kaum, von Sechsern, Verschieben, falschen Neunern, und so weiter ganz zu schweigen. Wegen der Mängel sind selbst bei Klassikern wie dem Stadtderby Flamengo gegen Fluminense die Stadien nur halb voll.

Dennoch werden der Brasilianer mit Fußball bombardiert. Im Schnitt wird alle drei bis vier Tage gespielt, stets übertragen vom Fernsehgiganten Globo-TV, der mit dem Rechtekauf die Liga finanziert. Zum Vertrag gehört, dass die Spiele erst nachts beginnen dürfen, weil Globo um 21 Uhr seine tägliche Telenovela zeigt. Auch um den Terminkalender zu entzerren haben sich jetzt mehr als 800 Profis im Bom Senso Futebol Club zusammengeschlossen, dem Fußballklub Guter Menschenverstand.

Der renommierte Fußballjournalist Juca Kfouri hat der neuen Spielergewerkschaft schon Glück gewünscht im Kampf gegen die graue Riege vom CBF. Ebenso hat er Diego Costa zu seiner Entscheidung beglückwünscht. Es gebe den Ausdruck, dass die Heimat dort sei, wo man sich wohl fühle.

Eine kuriose Pointe hat die ganze Geschichte auch: Brasiliens Coach Felipe Scolari trainierte von 2003 bis 2008 das Nationalteam Portugals. Damals warb er den gebürtigen Brasilianer Deco ab, der seinen Einstand 2003 gegen Brasilien gab. Und den Siegtreffer für Portugal erzielte

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