Nach Flugzeugabsturz von MH17 : Deutsche Politiker wollen WM 2018 Russland wieder entziehen

Nach dem Flugzeugabschuss in der Ostukraine fordern deutsche Politiker Konsequenzen für Russland und seinen Präsidenten Wladimir Putin. Ein empfindlicher Punkt könnte die Fußball-WM 2018 sein.

Fifa-Präsident Blatter (l.) übergibt Russlands Präsident Putin die nächste WM
Fifa-Präsident Blatter (l.) übergibt Russlands Präsident Putin die nächste WMFoto: dpa

Nach dem mutmaßlichen Abschuss eines malaysischen Passagierflugzeugs über dem Osten der Ukraine durch prorussische Separatisten stellen deutsche Politiker die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 durch Russland infrage. Wenn der russische Präsident Wladimir Putin "nicht aktiv an der Aufklärung des Flugzeugabsturzes mitwirkt, ist die Fußball-WM 2018 in Russland unvorstellbar", sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) der "Bild"-Zeitung. Ähnliche Äußerungen kamen von den Grünen.

Beuth, der ebenfalls Vorsitzender der Sportministerkonferenz der Länder ist, forderte, der Fußball-Weltverband Fifa müsse nun prüfen, ob die WM-Vergabe noch aufrecht erhalten werden könne. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Stephan Mayer (CSU), äußerte sich ähnlich. "Sollte Präsident Putin nicht einlenken und die Krise weiter anheizen, darf es auch kein Tabu mehr sein, Russland die Fußball-WM 2018 zu entziehen", sagte Mayer der "Bild"-Zeitung.

Der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs, forderte die Fifa auf, die geplante Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland neu zu vergeben. "Die Fifa sollte sich Gedanken darüber machen, ob Russland ein geeignetes WM-Land ist, wenn es noch nicht einmal sichere Luftwege garantieren kann", sagte Fuchs Handelsblatt Online. Deutschland könne zusammen mit Frankreich und Italien "ohne Probleme" das Turnier übernehmen. "Wir haben genügend Stadien, die WM-tauglich sind", sagte Fuchs.

Neuvergabe der WM wirkungsvoller als Wirtschaftssanktionen

Die Grünen-Außenpolitikerin Marieluise Beck forderte generell, die Vergabe von Sportgroßereignissen abhängig von der Einhaltung demokratischer Standards zu machen. "Die Vergabe der Fußball-WM an Russland war bereits vor der Ukraine-Krise fragwürdig, weil der Kreml seit Jahren Bürgerrechte immer wieder einschränkt", sagte Beck der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Nun gelte erst recht, dass Putin "kein würdiger Gastgeber" sei. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Dieter Janecek warnte in der "Bild" davor, Putin eine "Bühne für seine Propagandashow" zu geben. Russland müsse erst "den Weg zum Frieden zurückfinden und für die Einhaltung der Menschenrechte sorgen, bevor dort eine Fußball-WM stattfinden kann", sagte der Kai Wegner, Bundestagsabgeordneter und CDU-Generalsekretär im Land Berlin.


Fuchs betonte, dass eine Neuvergabe der WM als Strafmaßnahme wesentlich wirkungsvoller sei als die Verhängung harter Wirtschaftssanktionen. Die russischen Grenzen seien "in ihrer Vielfalt" viel zu durchlässig, um das Land etwa von Importen abzuschneiden. Die Umsetzung von Handelsbeschränkungen ließe sich daher kaum effektiv kontrollieren. "Die beste Sanktion wäre, weniger Gas aus Russland zu importieren", sagte Fuchs.

Nach Brasilien in diesem Jahr soll als nächstes Russland die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Die Regierung in Moskau steht seit Monaten jedoch wegen der Annektion der ukrainischen Halbinsel Krim und ihrer Unterstützung der prorussischen Aufständischen im Osten der Ukraine in der Kritik. Wegen Russlands Rolle in dem blutigen Konflikt beschlossen die EU und die USA bereits mehrere Runden Sanktionen gegen russische Verantwortliche und Institutionen. Nach dem wahrscheinlichen Abschuss des Flugs MH17 am vergangenen Donnerstag erwägen sie eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen. (AFP)

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