Nach Galatasarays Sieg bei Schalke : Türkei feiert und träumt vom Finale

"Warte Wembley!", "Europa, der Eroberer kommt" - nach dem 3:2-Sieg von Galatasaray Istanbul bei Schalke 04 und dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League herrscht nationalistisches Hochgefühl in der Türkei.

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Jubel, Trubel, Galatasaray.
Jubel, Trubel, Galatasaray.Foto: AFP

Fast war es am Mittwoch schon so, als habe Galatasaray Istanbul in der Champions League nicht erst das Viertelfinale erreicht, sondern schon das Finale. „Helden“ titelte die Zeitung „Habertürk“ in ihrer Sportbeilage unter einem Foto der triumphierenden Istanbuler Spieler nach dem Auswärtssieg bei Schalke 04. „Warte, Wembley,“ hieß es bei „Vatan“. Auch die „Hürriyet“ war sich sicher: „Dieser Spurt endet in Wembley.“

Noch am späten Dienstagabend hatten Fußballfans in der ganzen Türkei den Sieg der Istanbuler gefeiert. Der frühere Schalker Hamit Altintop erschien wegen seines Ausgleichstreffers in der 37. Minute als Erlöser. „Hamit, du bist super, du bist groß“, schwärmte der türkische Fernsehmoderator während der Live-Übertragung.

Besonders aber Stürmer Burak Yilmaz, der gegen Schalke erneut traf mit seinen acht Torerfolgen in der diesjährigen Champions League zusammen mit Cristiano Ronaldo die Liste der Europa-Torjäger anführt, wurde von den Kommentatoren als Star des Abends gelobt. „König und Imperator“, kommentierte „Hürriyet“ ein Foto, das Yilmaz zusammen mit Galatasaray-Trainer Fatih Terim zeigte – Terim wird in der Türkei allgemein nur der „Imperator“ genannt, weil er Galatasaray im Jahr 2000 zum UEFA-Cup-Titel führte.

Türken untertunneln Schalke
Das Champions-League-Spiel FC Schalke 04 gegen Galatasaray Istanbul war ein Heimspiel für beide Mannschaften.Alle Bilder anzeigen
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13.03.2013 11:51Das Champions-League-Spiel FC Schalke 04 gegen Galatasaray Istanbul war ein Heimspiel für beide Mannschaften.

Nun fasst Terims Mannschaft Höheres ins Auge. „Europa, der Eroberer kommt“, kündigte „Vatan“ an - ein Wortspiel mit Terims Vornamen, der ‚Eroberer‘ bedeutet. Fatih ist auch die Ehrenbezeichnung für den Osmanen-Sultan Mehmet II, der im Jahr 1453 das damalige Konstantinopel und heutige Istanbul von den christlichen Byzantinern eroberte und der die muslimischen Osmanen damit als europäischen Macht etablierte.

Das nationalistische Hochgefühl nach dem Auswärtssieg in Deutschland überdeckte die große Erleichterung der Türken, die nach dem 1:1-Unentschieden beim Hinspiel in Istanbul überhaupt nicht sicher waren, ob der Einzug ins Viertelfinale gelingen würde. Selbst beim strahlenden Sieg in Deutschland entdeckten einige Experten trotz der allgemeinen Euphorie aber Schwächen, die den Türken in der Runde der letzten Acht noch zu schaffen machen könnten.

Bei aller Freude über den Erfolg sei festzuhalten, dass Schalke in der zweiten Hälfte klar dominiert habe, während sich Galatasaray in schockierender Weise zurückzog „und geradezu auf ein Tor wartete“, schrieb der frühere Nationalspieler Sergen Yalcin in „Habertürk“. In dieser Phase sei Galatasaray allein vom uruguayanischen Torhüter Fernando Muslera gerettet worden.

Doch der Optimismus überwiegt. Sportkolumnist Osman Senher erinnerte die Leser der Zeitung „Milliyet“ daran, dass die Istanbuler Neuzugänger Wesley Sneijder und Didier Drogba derzeit körperlich noch nicht auf der Höhe und noch nicht vollständig in die Mannschaft integriert seien. Nun wartet die Türkei auf die Auslosung für das Viertelfinale an diesem Freitag. Und dann auf Wembley.

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