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Nach Interview mit Schiedsrichter Manuel Gräfe : Beim DFB rumort es

Nach Manuel Gräfes Interview hat der DFB seinen Schiedsrichtern zunächst Stillschweigen verordnet. Nun gab es ein klärendes Gespräch mit den Beteiligten.

Der Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe fand deutliche Worte.
Der Berliner Schiedsrichter Manuel Gräfe fand deutliche Worte.Foto: dpa

Der Fußball-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat dem Tagesspiegel zum Bundesligastart ein bemerkenswertes Interview gegeben. Es ging dabei um Mauscheleien auf höchster Ebene einer Justitia, die schon lange nicht mehr als blind angesehen wird. Auch und gerade nicht in Deutschland, spätestens seit der Entjungferung der Unvoreingenommenheit durch den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer.
Die Aufklärung der Affäre Hoyzer vor zwölf Jahren geht übrigens zurück auf Manuel Gräfe, gemeinsam mit dem heutigen Schiedsrichter-Chef Lutz Fröhlich unter Einvernahme des damaligen Jung- Schiedsrichters Felix Zwayer.
Gräfes Kritik zielt vor allem gegen Herbert Fandel und Hellmut Krug, die einst führenden Männer im deutschen Schiedsrichterwesen, das sie bis heute noch ein bisschen mitkontrollieren. Gräfe beschreibt den pfeifenden Mikrokosmos so, wie die Welt auch außerhalb des Rasengevierts funktioniert. Als ein Paralleluniversum von Gebern und Empfängern von Gefälligkeiten mit vorab definierten Siegern und Verlierern, alles hängt ab von der Gunst der Chefs. Das hat die Öffentlichkeit ein wenig aufgeschreckt, denn für gewöhnlich ist der Schiedsrichter-Zirkel eine geschlossene Gesellschaft, aus der nie ein Wort nach außen dringt.

Es schwiegen alle - fast

In diesem Sinne war nach der ersten Aufregung um Gräfes Interview eine Rundmail zu Beginn dieser Woche abgefasst, sie richtete sich an den das höhere Schiedsrichterwesen im DFB und verordnete ein allgemeines Stillschweigen bis zur internen Aufarbeitung der Angelegenheit. Am Mittwoch trafen sich in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main Schiedsrichterchef Lutz Fröhlich, Generalsekretär Friedrich Curtius und Manuel Gräfe zu einem klärenden Gespräch. In einer Presseerklärung des DFB heißt es: „In dem Gespräch wurde vereinbart, die Differenzen und aufgeworfenen inhaltlichen Diskussionen in den kommenden Wochen intern und unter Einbeziehung des zuständigen DFB-Vizepräsidenten Ronny Zimmermann sowie des Führungsteams aufzugreifen und aufzuarbeiten.“ Fröhlich wies ausdrücklich darauf hin, „dass es an der fachlichen Kompetenz und Wertschätzung für Manuel Gräfe keinen Zweifel gebe“.
Bis dahin hatten sich alle an das Gebot medialen Zurückhaltung gehalten. Gräfe schwieg, Fröhlich schwieg, alle Schiedsrichter schwiegen. Wer nicht schwieg, war Hellmut Krug, der Gräfes Kritik am Montag bei einer Diskussionsrunde auf Sky als unverzeihlich bezeichnete, er sei aus allen Wolken gefallen, denn „wir Referees treffen uns mehrmals im Jahr, deswegen hat uns die Kritik komplett überrascht. Wir werden uns zusammensetzen und das aufarbeiten.“ In der selben Runde sprach er den schönen Satz: „Auch wenn man falsche Anschuldigungen wiederholt, werden diese nicht richtiger.“ Ein gewisser Widerspruch zum Fall aus allen Wolken ist nicht von der Hand zu weisen.

Die Rolle von Felix Zwayer

In der neuesten Ausgabe der „Sport-Bild“ findet sich ein Text, der Gräfes Interview als Versuch bezeichnet, von eigenen Problemen abzulenken. Von – angeblich – mangelhafter Fitness, zweifelhaften Krankmeldungen, schlechten Beurteilungen seitens der Uefa. Informationen, an deren Wahrheitsgehalt sich zweifeln lässt, die aber allesamt aus dem inner circle des DFB kommen müssen. Inhaltlich würde sich das sehr gut in den von Gräfe kritisierten Führungsstil der alten Schiedsrichterführung fügen
Was bleibt? Der ganz und gar nicht unausgesprochene Vorwurf, Manuel Gräfe sei nur eifersüchtig auf seinen Berliner Kollegen Felix Zwayer. Das ist eine schöne Schnittstelle zwischen Vergangenheit und Aktualität, denn auch Gräfe hat auf Zwayer Bezug genommen. Mit dem Verweis auf den Schiedsrichterkollegen, der Robert Hoyzer bei einem manipulierten Spiel als Assistent begleitet und dafür 300 Euro kassiert hat. So steht es in einem Urteil des DFB-Sportgerichts, das der DFB seltsamerweise nie kommuniziert hat und über das er bis heute nicht reden mag. Warum eigentlich nicht?
Zwayer amtiert heute als Fifa-Schiedsrichter, und Gräfe fragt im Tagesspiegel, ob denn so einer geeignet sei, Spiele auf höchster Ebene zu pfeifen. Diese Frage ist legitim, und sie darf auch gern meinungsstark debattiert werden. Man könnte etwa eine Verjährungsgnade anführen, über Zwayers Rolle als Kronzeuge bei der Aufklärung reden, nachdem Gräfe ihn auf die Gerüchten um verschobene Spieler angesprochen.hatte, worauf beide gemeinsam mit Fröhlich den DFB informierten. Auch eine Debatte über die Glaubwürdigkeit Hoyzers ist legitim – der hat allerdings immer darauf verwiesen, wenn es ihm um Rache an Zwayer gegangen wäre, hätte er leicht eine viel höhere Summe als Bestechungsgeld angeben können.
Was aber überhaupt nicht geht, ist ein komplettes Negieren des rechtskräftigen Urteils. Ein bisschen mehr Transparenz und weniger Verschwiegenheit darf es schon sein.

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