• Nach Niederlage gegen die Frankfurt Skyliners: Bei Alba Berlin ist jetzt Sasa Obradovic gefordert

Nach Niederlage gegen die Frankfurt Skyliners : Bei Alba Berlin ist jetzt Sasa Obradovic gefordert

Alba Berlin droht nur von Platz sechs in die Play-offs zu starten - so schlecht wie noch nie in der Vereinsgeschichte. Der Klub gibt sich dennoch optimistisch - auch wenn das ein wenig bemüht wirkt.

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Der Körper spricht. Coach Sasa Obradovic wirkte zuletzt frustriert. Sein Chef Marco Baldi ist sich sicher, dass der Serbe noch Impulse setzen kann.
Der Körper spricht. Coach Sasa Obradovic wirkte zuletzt frustriert. Sein Chef Marco Baldi ist sich sicher, dass der Serbe noch...Foto: dpa/Fischer

Der Blick von Sasa Obradovic ging immer wieder nach oben. Vielleicht um sich auf der Anzeige des Videowürfels des Debakels zu vergewissern. Die Arme hatte er mal verschränkt, mal in die Seiten gestemmt. Apathisch nahm er Alba Berlins 64:80-Niederlage gegen Frankfurt hin. Das war insofern bemerkenswert, als er danach die Körpersprache seiner Spieler kritisierte. „Wir haben uns von Fehlern herunterziehen lassen“, sagte Obradovic. Das Gleiche hätte auch auf ihn gepasst. Es war aber auch schwierig, nicht enttäuscht zu sein von der Vorstellung der Berliner im vorletzten Heimspiel der Vorrunde. Als der Albatros im Fanblock einen Alba-Anhänger aufmuntern wollte, scheuchte der Fan das Maskottchen angenervt davon.

Aber auch im Profiteam kam es zu Dissonanzen. Als Obradovic mit ausgebreiteten Armen seinen Kapitän Alex King auf dem Spielfeld anschnauzte, schnauzte der mit ausgebreiteten Armen zurück. Man muss nicht zu viel in diese Szenen hineininterpretieren, aber es ist unübersehbar, dass bei Alba Berlin zwei Wochen vor Play-off-Beginn vieles im Argen liegt.

„Wir sehen nicht gut aus“, weiß auch Obradovic. „Wir müssen cleverer und mehr zusammen spielen.“ Die Zeit für substantielle Verbesserungen ist begrenzt. Auch wenn der Coach betont: „In Panik zu geraten ist keine Lösung. Das ist schließlich nicht das Ende der Saison, sondern erst der Anfang.“ Aber die zweite Saison, die Play-offs, könnten in der aktuellen Form für Alba schnell beendet sein. Am Freitag in Bamberg und zum Abschluss am Sonntag daheim gegen Gießen können sich die Berliner theoretisch noch auf Platz fünf verbessern oder auf Rang sieben fallen, aber sehr wahrscheinlich werden sie vom sechsten Platz in die Play-offs starten, ein Startplatz so tief wie noch nie in der Vereinsgeschichte. Egal ob gegen Frankfurt, Bayern oder Oldenburg, die erste Runde wird schwer.

Egal ob gegen Frankfurt, Bayern oder Oldenburg, die erste Play-off-Runde wird schwer

„Wie weit kann es gehen, mit wem können wir mithalten, solche Gedanken verbieten sich“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, der kritisierte, das Team habe kopflos und zu wenig aggressiv gespielt. Dabei fehlt es dem Team vor allem an Selbstvertrauen, mehrere Spieler verweigerten freie Würfe. Auch das Zusammenspiel lässt noch vieles zu wünschen übrig, viele lange verletzte Rückkehrer suchen noch ihre Rollen. Nun, da fast alle Spieler fit sind, balgen sich elf Spieler um fünf Plätze auf dem Feld. „Eine große Rotation kann ein Vorteil sein, aber auch schwierig für die Balance“, weiß Baldi. Der Spielaufbau stockt, die drei Guards Taylor, Cherry und Lowery produzierten gegen Frankfurt zusammen acht Ballverluste. Niels Giffey, der nach seiner Verletzung in ein Formtief gefallen ist, kam sogar auf vier Turnover.

Fehlendes Zusammenspiel, fehlendes Selbstvertrauen, fehlende Form, fehlende Aggressivität – eigentlich alles Aufgaben für einen Coach. Doch Sasa Obradovic wirkt derzeit frustriert von den Umständen. „Er ist ein Typ, der es hasst, zuhause zu verlieren“, verteidigt Baldi den Serben, dessen Vertrag nach dieser Saison ausläuft. „Ratlos sehe ich ihn überhaupt nicht, er kann sehr deutliche Impulse setzen, wir haben ein erfahrenes Trainerteam“, sagt Baldi, den von Agenten gestreute Gerüchte nerven, Alba sei an anderen Trainern interessiert. „Wir verfallen nicht in Endzeitstimmung“, sagt Baldi, der daran erinnerte, dass Alba 2002 von Platz fünf gestartet war und danach ungeschlagen Meister wurde. „Die Zeiten haben sich geändert, aber es ist egal, von welchem Platz wir starten. Wir müssen in den nächste zwei Wochen einfach alle Spieler auf dasselbe Niveau bekommen.“

Der Optimismus bei Alba wirkt jedenfalls bemüht. Als der Hallensprecher gegen Frankfurt ein Abopaket für die Play-offs bewarb, das im schlimmsten Fall nur ein Heimspiel umfassen könnte, schob er schnell hinterher: „Man weiß ja nie, was noch passiert.“

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