• Nach Sieg gegen 1860 München: Der Union-Express nimmt Fahrt auf Richtung Bundesliga

Nach Sieg gegen 1860 München : Der Union-Express nimmt Fahrt auf Richtung Bundesliga

Der 1. FC Union setzt gegen 1860 München den Plan von Trainer Keller perfekt um und genießt die Euphorie.

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Der 1. FC Union um Stürmer Sebastian Polter (Mitte) steht zurzeit sehr stabil in der Verteidigung – und spielt offensiv mit Durchschlagskraft.
Der 1. FC Union um Stürmer Sebastian Polter (Mitte) steht zurzeit sehr stabil in der Verteidigung – und spielt offensiv mit...Foto: Maurizio Gambarini/dpa

In Badelatschen, mit Kreide an den Knien und einem erschöpften Ausdruck im Gesicht schlurfte Michael Parensen durch das Innere der Alten Försterei. Die Müdigkeit war ihm anzusehen so kurz nach dem 2:0 (0:0) seines 1. FC Union Berlin gegen 1860 München. Hinter dem Defensivspezialisten lag ein aufregender Arbeitstag. Erst kurz vor Spielbeginn hatte er von seinem Einsatz, geschuldet der Verletzung des ansonsten gesetzten Kristian Pedersen, erfahren und auch wenn er mit seinen Kräften am Ende war, genoss Parensen dieses Gefühl von Mattheit nach dem Wettkampf.

Obwohl der 30-Jährige einer der erfahrensten im Kader ist, obwohl er die Position des Linksverteidigers schon unzählige Male gespielt hat und obwohl er den Gegner gut kannte, war es doch ein wenig überraschend, wie problemlos sich Parensen einfügte, nachdem er in dieser Saison so oft außen vor war. Ähnlich wie Emmanuel Pogatetz, der vor zwei Wochen beim 3:1 gegen Bielefeld erst seinen zweiten Einsatz bestritt und auch überzeugte. Parensen begründete die aktuelle Leichtigkeit des Union-Spieler-Seins später damit, dass die Mannschaft über eine hervorragende Grundordnung verfüge und das Leben sowieso einfach sei, wenn man sich an den Plan des Trainerteams halte.

Überhaupt, der Plan. Jeder Berliner Fußballer, der nach dem Sieg gegen 1860 zu Wort kam, verwies auf die taktischen Überlegungen von Jens Keller und seinen Assistenten. „Wir hatten einen guten Plan, indem wir versucht haben, ständig die Münchner Außenpositionen zu attackieren“, sagte Parensen. 1860 trat in der Alten Försterei mit einer Dreierkette an, eher ungewöhnlich für Zweitliga-Verhältnisse. In diesem System sind es die äußeren Mittelfeldspieler, die bei Ballbesitz für Überzahl sorgen können. Das wollten die Berliner verhindern, die nicht so gängige Formation des Gegners bereitete ihnen keine Sorgen. „Wir haben immer einen Plan und wir wissen, dass wir stark sind, wenn wir uns daran halten“, sagte Kapitän Felix Kroos, der seit Wochen überragende Leistungen zeigt.

Unions Spieler begeistern Trainer Jens Keller

Union setzte den Gegner sehr früh unter Druck, unterband den Spielaufbau, indem die bestmöglichen Anspielstationen blockiert wurden und zwang die Münchner so, lange Bälle zu schlagen, die für die Berliner Verteidiger kein Problem darstellten. Bei eigenem Ballbesitz bildete Union im Mittelfeld eine Raute, Steven Skrzybski stieß ins Angriffszentrum zu Sebastian Polter und sorgte so für zusätzliche Verwirrung. Keller hatte das unter der Woche immer wieder üben lassen, weil er überzeugt war, die Münchner so unter Druck setzen zu können. Sein Gegenüber Vitor Pereira sagte anerkennend: „Wir sind auf einen Gegner mit höherer individueller Qualität und einem besseren Plan getroffen, Unions Sieg ist absolut verdient.“

Keller war regelrecht begeistert, wie schnell seine Spieler das Konzept nach wenigen Trainingseinheiten umsetzten. Überhaupt sei seine Mannschaft äußerst lernwillig und würde ihm die Arbeit sehr leicht machen. „Sie bringen sich immer mit ein, bei der Videoanalyse genau wie auf dem Platz“, sagte Keller. Vier von fünf Spielen hat Union 2017 gewonnen, dazu kommt ein Unentschieden. Ob er nicht langsam die immer größer werdende Euphorie eindämmen müsse, wurde Keller nach dem Spiel gefragt. Er antwortete mit einer Gegenfrage. „Warum denn?“ Wenn ein Express richtig in Gang sei, so Keller, solle man nicht die Bremse ziehen.

Am kommenden Freitag steht das nächste Heimspiel an, dann kommen die Würzburger Kickers ins Stadion an der Alten Försterei. Der Aufsteiger soll nur ein Zwischenhalt sein. Kellers Köpenicker Schnellzug nimmt immer mehr Fahrt auf Richtung Bundesliga.

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