Nachspielzeit bei Hertha gegen Bayern : Wie lange und wenn ja, warum?

Nach dem späten Tor der Bayern am Samstag zum 1:1 bei Hertha BSC wird über die lange Nachspielzeit diskutiert. Dabei ist die genau geregelt.

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Patrick Ittrich hatte am Ende richtig viel zu tun bei Hertha gegen Bayern.
Patrick Ittrich hatte am Ende richtig viel zu tun bei Hertha gegen Bayern.Foto: Reuters

Friedhelm Funkel bekam sich gar nicht mehr ein. Das Spiel war lange abgepfiffen, der Interviewmarathon absolviert, genauso die Pressekonferenz. Nun stand der Trainer des VfL Bochum zum informellen Gespräch an einer Wand im Presseraum und ließ seinem Groll gegen den Schiedsrichter noch einmal freien Lauf. „Wenn er zwei Minuten Nachspielzeit anzeigt, dann muss er auch nach zwei Minuten abpfeifen. Deswegen haben wir das Spiel verloren“, sagte Funkel nach der Niederlage im Relegations-Hinspiel gegen Borussia Mönchengladbach, die durch ein Tor in der 93. Minute besiegelt worden war. „Es ist traurig, dass der Schiedsrichter das Spiel so entscheidet.“

Funkel irrte, damals im Mai 2011 – genauso, wie Pal Dardai, der Trainer von Hertha BSC, am Samstag nach dem 1:1 gegen Bayern München irrte. Der Ausgleich für den Deutschen Meister fiel kurz vor Ablauf der 96. Minute – nachdem der Vierte Offizielle zuvor lediglich fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte. „Das ist komisch: Wenn sie fünf Minuten anzeigen, müssen sie auch nach fünf Minuten abpfeifen“, sagte der Ungar. Müssen sie nicht – so verständlich der Ärger der Berliner auch gewesen sein mag. In der S-Bahn fiel später auffallend oft der Name BFC Dynamo. Auch beim Serienmeister der DDR wurde gerne mal so lange gespielt, bis der BFC noch ein wichtiges Tor erzielt hatte.

Entgegen der landläufigen Meinung gibt die Zahl, die im Stadion auf der Tafel des Vierten Offiziellen aufleuchtet, die Mindestnachspielzeit an. Im Regelwerk des Deutschen Fußball-Bundes heißt es: „Der Schiedsrichter kann die Nachspielzeit bei Bedarf verlängern, nicht aber verkürzen.“ Bei genauer Betrachtung gab es dafür am Samstag zwei Gründe: die Einwechslung von Maximilian Mittelstädt in der 92. und die Einwechslung von Fabian Lustenberger in der 94. Minute. Laut Regelwerk wird die Zeit, die bei Wechseln verloren geht, nachgespielt. „Die nachzuspielende Zeit liegt im Ermessen des Schiedsrichters.“ Oder wie es Dardai ausdrückte: „Das Spiel dauert immer so lange, bis der Schiri drei Mal pfeift.“

Ein Schiedsrichter kann die Nachspielzeit bei Bedarf verlängern, nicht aber verkürzen

Während Schiedsrichter Patrick Ittrich nach dem Abpfiff von der Ehrentribüne bespuckt worden sein soll, will ihm Dardai sogar gratuliert haben, „dass er gut gepfiffen hat“. Immerhin hatte es zwei Szenen gegeben, in denen Hertha sicher nicht benachteiligt worden war. Dass der Freistoß vor dem 1:0 berechtigt war, ließ sich selbst mit TV-Bildern nicht zweifelsfrei belegen. Dafür hätten die Bayern in der zweiten Hälfte am Berliner Strafraum zwingend einen Freistoß bekommen müssen. Der Linienrichter, der freien Blick auf den Zweikampf zwischen Marvin Plattenhardt und Arjen Robben hatte, hob seine Fahne, wurde vom deutlich schlechter platzierten Ittrich allerdings überstimmt.

So bezog sich der Ärger der Berliner allein auf die Nachspielzeit. Die von Ittrich festgelegten fünf Minuten kamen ihnen extrem hoch vor. Es gibt im Fußball eine Art Gewohnheitsrecht, dass in der ersten Halbzeit eine Minute nachgespielt wird, in der zweiten sind es in der Regel drei. Es sei denn, es hat auffällige Verzögerungen gegeben, durch Zeitspiel, Verletzungspausen, exzessiven Torjubel. Nach Einschätzung der Berliner war das nicht der Fall, nach dem Gefühl der Bayern sehr wohl. Thomas Müller klagte über Herthas Verzögerungstaktik, Mats Hummels sagte: „Berlin hat von der ersten Minute an Zeitspiel gemacht. Über die Nachspielzeit darf sich heute keiner beschweren.“

Er habe „nicht so viele Herthaner liegen sehen“, entgegnete Pal Dardai, und ganz sicher seien die Krämpfe keine Schauspielerei gewesen. „Solche Aussagen akzeptiere ich nicht.“

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