Sport : Nacktscanner fürs Fahrrad

Vor der Tour de France erregt im Radsport nur Motordoping Aufmerksamkeit

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Unter Beobachtung. Auf Fabian Cancellara schaut die Konkurrenz genau – auf sein Fahrrad auch. Foto: dpa
Unter Beobachtung. Auf Fabian Cancellara schaut die Konkurrenz genau – auf sein Fahrrad auch. Foto: dpaFoto: AFP

Berlin - 25 Stundenkilometer ist die Geschwindigkeitsbegrenzung für ein normales Fahrrad mit Hilfsmotor, aber mit der Hilfe dieses kleinen Motors soll ein mehr als doppelt so hohes Tempo erreicht werden. Bis zu 20 Prozent mehr Leistung könnten mit dem kleinen Zusatzantrieb im Fahrradrahmen erreicht werden, der zuletzt von dem Schweizer Fabian Cancellara eingesetzt worden sein könnte, als dieser bei der Flandern-Rundfahrt und bei Paris – Roubaix auf den versteckten Turboknopf gedrückt haben soll und die Konkurrenz wie Hobbyradler aussehen ließ. So hat es der frühere Radprofi Davide Cassani erzählt. Bewiesen ist das nicht, Cancellara ärgert sich über den „Quatsch“. Und wer es noch nicht wusste, hat nun durch die Geschichte mitbekommen, dass am 3. Juli die Tour de France startet.

Motor-Doping also. Das wäre nicht gesundheitsgefährdend. Und deshalb eher lustig und niedlich. Könnte man meinen. „Wenn wir uns vorstellen, dass das wahr ist, wäre das Betrug. Das wäre schlimmer als Drogen“, sagt Patrick Lefevere, der Leiter des Teams Quick Step. Lefevere ist einer der Teamchefs, denen der Aufbau eines Dopingsystems bei seinen Mannschaften vorgeworfen wird.

Der Radsport-Weltverband UCI nimmt das Thema so ernst, dass er eine Art Nacktscanner für Fahrräder hat entwickeln lassen, den er bei der Tour de France einsetzen wird.

Ein schönes Thema – und überhaupt ein Thema. Normalerweise ist zu diesem Zeitpunkt das sportliche Ballyhoo längst gestartet, das fällt aber in diesem Jahr aus. Der Radsport scheint ein Niveau gefunden zu haben, auf dem es sich überleben lässt, und buhlt nicht mehr mit aller Macht um die ganz große, ernsthafte Aufmerksamkeit. Selbst die sich sonst wegen der Vorgehensweise bei den Dopingkontrollen streitenden Anti-Doping-Agenturen für Frankreich und die Welt und die UCI haben sich auf eine Vorgehensweise geeinigt.

Auch Lance Armstrong hat wenig Spektakuläres mitzuteilen. „Habe mich auf Platz zwei im Gesamtklassement verbessert, womit ich zufrieden bin. Die Form wird besser und ich werde für die Tour de France bereit sein“, sendete er wie üblich als Twitter-Nachricht in der vergangenen Woche an die Welt. Armstrong meldete sein Ergebnis von der Tour de Suisse und zudem seine Vorhersage, dass er „eine enge Tour de France“ erwarte. Das hört sich anders an als seine üblichen Kampfansagen. Im Vorjahr war das Comeback des inzwischen 38 Jahre alten Texaners das große Thema gewesen, und vor ein paar Wochen gab es Aufregung um den gedopten Sieger von 2006, Floyd Landis. Der gab nach jahrelangem Leugnen zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben und erhob zudem Anschuldigungen gegen seinen Landsmann Armstrong. Landis wurde aber als bedauernswert, was er vielleicht auch ist, dargestellt und abgeschmettert.

Business as usual, und im deutschen Fernsehen verdoppeln ARD und ZDF wegen vertraglicher Verpflichtungen ihre tägliche Live-Berichterstattung von einer halben auf eine ganze Stunde. Denn die Skandale sind schon lange keine Skandale mehr. So hat kaum jemand überhaupt mitbekommen, dass vor ein paar Wochen der Berg-König des Vorjahres, Franco Pellizotti, wegen auffälliger Blutwerte suspendiert worden ist. Und vor einer Woche wurde der ehemalige Profi Eddy Mazzoleni wegen des Handels mit illegalen Substanzen in Italien zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, die Schwester des Giro-Siegers Ivan Basso muss gar für ein Jahr in Haft.

Das ist alles egal. Es wird für die Stimmung keine Rolle spielen, wenn am kommenden Samstag die Profis auf ihre große Fahrt gehen. Der Start ist übrigens in Rotterdam. Ohne Hilfsmotor.

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