Neuer Bayern-Trainer : Josep Guardiola und die Feminisierung des Fußballs

22.01.2013 11:30 UhrVon Wolfram Eilenberger
  • Der 41-jährige Spanier hat bei den Bayern einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. Foto: afp
    Der 41-jährige Spanier hat bei den Bayern einen Vertrag bis 2016 unterschrieben. - Foto: afp
  • Ob Bayern Münchens Spieler am Ende der Saison 2013/14 ihren neuen Trainer Josep "Pep" Guardiola hoch leben lassen werden, wie die Spieler von Barcelona, bleibt abzuwarten. Eins steht schon jetzt aber fest... Foto: dpa
    Ob Bayern Münchens Spieler am Ende der Saison 2013/14 ihren neuen Trainer Josep "Pep" Guardiola hoch leben lassen werden, wie die Spieler von Barcelona, bleibt abzuwarten. Eins... - Foto: dpa
  • Mit der Verpflichtung von Pep Guardiola dürfte dem FC Bayern München einer der größten Coups in der Vereinsgeschichte gelungen sein. Foto: dpa
    Mit der Verpflichtung von Pep Guardiola dürfte dem FC Bayern München einer der größten Coups in der Vereinsgeschichte gelungen sein. - Foto: dpa

Wolfram Eilenberger, Chefredakteur des Philosophie Magazins, erklärt in seinem Gastbeitrag, was der Transfer von Trainer Josep Guardiola zum FC Bayern tatsächlich bedeutet.

Wen will es erstaunen, dass sich an den nahenden Wechsel Josep Guardiolas auf die Trainerbank von Bayern München höchste Hoffnungen knüpfen? Schließlich war der FC Barcelona unter seiner Regentschaft die global dominierende Mannschaft der vergangenen Jahre. Und schließlich wissen wir alle ganz genau, was für ein wahnsinnig toller Trainer und vor allem Mensch dieser Pep doch ist: ein geborener Spielerversteher, ultimativ empathisch, taktisch genial, auf nachhaltige Jugendförderung setzend, stets bescheiden, intuitiv, edel und gut, ein asketischer Poet, kein bisschen eitel – kurz: eines der vollkommensten Wesen der Welt, gleich nach dem Dalai Lama, mit dem er karmisch gesehen zweifellos mehr als nur die blank polierte Glatze gemein hat.

In solch einem Klima messianischer Naherwartung muss jedes kritische Wort den Verdacht effektheischenden Nörgelns auf sich ziehen. Dennoch soll an dieser Stelle die Frage gestellt werden, wofür Guardiola als Trainer des FC Barcelona spielkulturell eigentlich stand, zumal es auf diese Frage eine ganz einfache und jedem augenfällige Antwort gibt: Guardiola steht für die konsequente Feminisierung des Fußballs.

Sein komplexes, übungsintensives Spielideal reinigte das Feld von geschlechtstheoretisch klassisch „männlichen“ Attributen wie Physis, Aggressivität, Egoismus und Rang und ersetzte sie extrem erfolgreich durch klassisch „weiblich“ codierte Leitwerte wie Kommunikation, Kollektivität und Kreativität. Beispielhaft verkörpert wurde sein Ideal folgerichtig von drei Spielern, deren leibliche Anmutung als eher androgyn zu bezeichnen bleibt: Xavi, Iniesta und Messi.

Mit genialer Unterstützung seiner drei Galionsfigürchen perfektionierte Guardiola eine Spielweise, die auf permanenten Ballbesitz und vor allem Ballkontrolle abzielt, sich durch extrem hohe Kurzpassintensität sowie im Gelingensfall durch systemisch garantierte Kreativität auszeichnet. Guardiolas Vision folgend, bedarf schöner Fußball keiner Pässe von mehr als 15 Metern Länge, keiner Torschüsse oder Freistöße aus mehr als 20 Metern, keiner hohen Flanken und damit auch keiner Kopfballtore – folglich auch keiner körperlich starken Stürmer.

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