Neuer Hauptsponsor bei Hertha BSC : Das hässlichste Trikot der Bundesliga?

Ein neongrüner Schweif mitten auf den blau-weißen Längsstreifen: Das neue Trikot von Hertha BSC ist - vorsichtig formuliert - Geschmackssache. Dabei ginge es auch anders. Ein Kommentar.

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Mitchell Weiser im Auswärtstrikot, Julian Schieber trägt das Heimjersey. Schön ist anders.
Mitchell Weiser im Auswärtstrikot, Julian Schieber trägt das Heimjersey. Schön ist anders.Foto: dpa

Wer klug ist, hat sich das Trikot von Hertha BSC längst in den vergangenen Wochen gekauft. Als die Brust noch blank war, bevor am Donnerstag das neue Sponsorenlogo enthüllt wurde. „Sieht gut aus!“, twitterte der dort platzierte Wettanbieter. Die Meinung hatte er ziemlich exklusiv. Auf dem Trikot wurde ein neongrüner Schweif mitten in die blau-weißen Längsstreifen gepropft. Das Farbchaos komplettieren rote Seitenstreifen, die an den letzten Sponsor erinnern, ein Eisenbahnunternehmen.

Die Kritik war groß in den sozialen Netzwerken, das Trikot errege „Augenkrebs“, sei das hässlichste der Bundesliga. Mode ist bekanntlich Geschmackssache, und vielleicht wäre es sinnvoller, darüber zu diskutieren, warum Hertha eigentlich als letzter Erstligist überhaupt einen Sponsor gefunden hat und ob ein Wettanbieter moralisch und juristisch vertretbar ist.

Für die deutschen Vereine ist die Sponsorenwerbung auf der Brust eine wichtige Einnahmequelle. Die Trikots der wenigsten Fußballklubs glänzen dabei durch eine stilvolle Einbettung des Sponsorenlogos in die Klubfarben. Optische Fouls sind eher die Regel. Doch es geht auch anders. Im US-Sport verzichten die Teams ganz auf Werbung auf den Trikots. So wird die Klubmarke gestärkt und nicht von einem Sponsorenlogo in den Hintergrund gedrängt. Der Verzicht auf fragwürdige Werbung macht die Spielkleidung der US-Klubs lifestyletauglich, weltweit tragen Menschen die Trikots als Accessoire auf der Straße. Die US-Klubs verdienen daher ein Vielfaches an Merchandise.

Doch deutsche Klubs schauen lieber auf das schnelle Geld und pappen jede Farbe und Form über die eigene Vereinsidentität. Große optische Veränderungen können die Klubs ihren traditionsbewussten Fans ohnehin nicht zumuten, die meisten fordern die immer gleichen Farben und Streifen. Ein neues Logo ist da oft der einzige Kaufanreiz, um jedes Jahr kaum veränderte Trikots neu und teuer zu verticken.

Die meisten Fans, die jetzt maulen, werden das Trikot dennoch kaufen und tragen, spätestens wenn sportliche Erfolge es aufhübschen, siehe die deutschen Weltmeister-Trikots. Um Mode geht es am Ende wenig. Außer denen, die sich schon ein sponsorfreies Trikot gesichert haben.

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