Neuer Präsident des 1. FC Köln : Spinner will kein Diktator sein

Der 1.FC Köln hat einen neuen Präsident. Werner Spinner kündigt klare Worte und Disziplin an. Er und seine Stellvertreter Toni Schumacher und Markus Ritterbach setzen auf Teamarbeit.

Das frühere Vorstandsmitglied der Bayer AG ist neuer Präsident des 1. FC Köln: Werner Spinner
Das frühere Vorstandsmitglied der Bayer AG ist neuer Präsident des 1. FC Köln: Werner SpinnerFoto: dapd

Werner Spinner eroberte die Herzen von fast 4400 Menschen mit einer emotionalen Bewerbungsrede im Sturm. Und nach der Wahl hievte der neue Präsident des 1. FC Köln den weißen Plastik-Geißbock hoch und schleppte die Skulptur über das Podium, um ein besonderes Fotomotiv möglich zu machen. „Mit diesem Votum haben Sie den ersten Schritt zur Vereinigung des Vereins unternommen“, rief er seinen Wählern zu.

162 Tage nach dem Rücktritt des vorigen Präsidenten Wolfgang Overath ging am Montagabend ein Ruck durch den sportlich notleidenden und finanziell angeschlagenen Verein. 91,4 Prozent sprachen sich für Spinner und sein Stellvertreter-Duo Toni Schumacher/Markus Ritterbach aus. Die Opposition um den ehemaligen FC-Manager Karl-Heinz Thielen wurde mit Buhrufen bedacht.

Es wartet ein Berg von Problemen auf die neue Führung an der Spitze des 58 000-Mitglieder-Klubs: Die Profimannschaft soll den fünften Abstieg verhindern, Trainer und Sportdirektor müssen gefunden, die Finanzen geregelt werden. „Ich kann keine Wunder bewirken“, ließ der 63 Jahre alte ehemalige Bayer-Topmanager Spinner wissen. Und kündigte an, den FC in seiner Gesamtheit neu zu disziplinieren.

„Wir bringen ein paar klare Regeln auf den Tisch, die von allen akzeptiert werden können. Und dann setzen wir diese Regeln um“ – unverblümt machte Spinner klar, dass Auffälligkeiten einzelner Profis künftig unterbunden werden sollen. Spinner: „In diesem Verein fehlt es an Disziplin.“ Man brauche „klare Worte und nicht hintenrum, wie es beim FC üblich ist“.

Spinner will Mitspieler sein. „Das Wichtige ist, dass man alles in Teamarbeit und mit allen Gremien zusammen macht“ – das war es, was die Rekordzahl der fast 4400 Stimmberechtigten hören wollte. Spinner traf jeden Ton – besonders, als er versprach, dass es „keine halsbrecherischen Verträge mit hohen Abfindungen“ mehr geben werde.

Spinners Ziele sind klar: Er will die schlechte Außendarstellung verbessern, er will die Geldangelegenheiten des unter finanziellem Dauerdruck stehenden Vereins in den Griff bekommen, den Dialog suchen und die Befugnisse des Präsidenten beschneiden: „Der hat eine Macht wie sonst nur ein Diktator einer Bananenrepublik.“ Das Zukunftsvorbild des neuen FC-Chefs heißt Toni Schumacher. Kölns Torhüter-Ikone war sichtlich gerührt, als er, vor fast genau 25 Jahren nach seinem Enthüllungsbuch („Anpfiff“) rausgeschmissen, sein Comeback im FC-Ehrenamt gesichert wusste: „Es ist ein gutes Gefühl, wieder zu Hause zu sein.“

Jetzt wollen Spinner, Schumacher und der Kölner Karnevalsfunktionär Ritterbach bei Schaefer anklopfen, ob er als Trainer weitermacht. „Er weiß, wie es geht. Aber man muss seine Meinung respektieren, die Entscheidung wird er fällen“, sagte Schumacher. dpa

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